Die Frage der finanziellen Absicherung ist für viele pflegende Angehörige ein Dauerthema. Viele Angehörige geraten in finanzielle Schwierigkeiten, wenn sie ihren Beruf aufgeben mussten. Dabei ist die Arbeit, die sie an Pflege und Unterstützung leisten, nicht nur für den hilfsbedürftigen Menschen wertvoll – auch für die Gesellschaft leisten pflegende Angehörige unschätzbares.

Da ist es für viele Angehörige umso frustrierender, wenn die Pflege und Unterstützung nicht durch eine wertschätzende finanzielle Absicherung gewürdigt wird. So müssen sie oft Unterstützung in Form von Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe in Anspruch nehmen um ihre monatlichen Ausgaben zu decken. Da es heute außer diesen Möglichkeiten keine andere Art der staatlichen finanziellen Absicherung gibt, sollen diese Möglichkeiten im Folgenden kurz vorgestellt werden:

 

Arbeitslosengeld 1

Arbeitslosengeld 1 können pflegende Angehörige erhalten, wenn sie einen sozialversicherungspflichtigen Job wegen der Pflege oder Unterstützung aufgeben. Sofern Sie die Vorversicherungsdauer in der Arbeitslosenversicherung erfüllt haben, stehen Ihnen dann 60% des ehemaligen Nettogehalts zu. Wenn Sie Kinder haben sogar 67% des Gehalts.

Wie lange Sie das Arbeitslosengeld 1 bekommen, richtet sich danach, wie lange Sie schon in einem sozialversicherungspflichtigen Beruf gearbeitet hatten. Es kann von 3 Monaten bis 2 Jahren ALG 1 bezogen werden. Anders als bei der Sozialhilfe oder dem Arbeitslosengeld 2 spielt hier ihr Vermögen keine Rolle, der Bezug von Arbeitslosengeld 1 ist unabhängig davon, wie viel Vermögen Sie besitzen.

Wichtig zu wissen ist jedoch, dass pflegende Angehörige, die Arbeitslosengeld 1 beziehen, die gleichen Pflichten haben, wie andere ALG 1 Bezieher. Das bedeutet, Sie müssen dem Arbeitsmarkt weiterhin zur Verfügung stehen. Sie sind alsonin der Regel verpflichtet, sich einen neuen Beruf zu suchen oder anzunehmen. Sie dürfen zwar Ihre Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt auf Teilzeit (mind. 15 Stunden pro Woche) beschränken, müssen aber in diesem Fall eine Kürzung des Arbeitslosengelds auf Teilzeitniveau hinnehmen. Wenn Sie wegen der Pflege keine Teilzeitarbeit annehmen können, kann Ihnen das ALG1 gestrichen werden, sodass Sie nur noch Anspruch auf Arbeitslosengeld 2 haben.

Mehr Informationen zum Arbeitslosengeld 1 finden Sie auf der Internetseite der Arbeitsagentur

 

Arbeitslosengeld 2

Das Arbeitslosengeld 2, umgangssprachlich auch Hartz 4 genannt, ist die finanzielle Grundsicherung für arbeitslose Menschen. Sie sind im Gegensatz zu anderen arbeitslosen Menschen, als Pflegepersonen nicht verpflichtet, sich Arbeit zu suchen und anzunehmen, wenn sich dies nicht mit der Pflege vereinbaren lässt. Als pflegende Angehörige bekommen Sie dann Arbeitslosengeld 2, ohne dass Sie nachweisen müssen, dass Sie sich um Arbeit bemühen. Sie müssen lediglich die Übernahme der Pflege oder Unterstützung nachweisen, zum Beispiel durch Dokumente der Pflegekasse oder ärztliche Bescheinigungen.

Die Höhe des Arbeitslosengeld 2 liegt bei 382€ im Jahre 2013. Kinder und Jugendliche im Haushalt bekommen ebenfalls eine Grundsicherung. Außerdem werden die Kosten für Miete, Unterkunft und Heizung übernommen. Allerdings bekommen Sie ALG 2 nur dann, wenn Sie bedürftig sind, also, wenn ihr Einkommen und Vermögen nicht ausreichend ist.

Die Antragsformulare für das ALG 2 finden Sie auf der Internetseite der Agentur für Arbeit, sowie vor Ort bei Ihrem lokalen Jobcenter. Dort geben Sie den Antrag auch ab. Bei Fragen zur Beantragung wenden Sie sich an Pflegeberatungsstellen vor Ort.

Mehr Informationen zum Arbeitslosengeld 2 finden Sie auf der Internetseite der Arbeitsagentur.

 

Weitere Möglichkeiten zur finanziellen Absicherung

Pflegegeld

Eine weitere Möglichkeit um während der Pflege oder Unterstützung eines Angehörigen finanziell einigermaßen abgesichert zu sein ist das Pflegegeld. Das Pflegegeld ist eine Leistung der Pflegeversicherung. Es steht Versicherten mit einer Pflegestufe zu, also den pflege- oder Unterstützungsbedürftigen Menschen selbst – nicht den pflegenden Angehörigen. Diese können das Pflegegeld aber an die Angehörigen weitergeben, um Ihnen Auslagen erstatten können oder eine Art Aufwandsentschädigung geben zu können. Wichtig zu wissen ist, dass das Pflegegeld zusätzlich zu Arbeitslosengeld 1 und 2 bezogen werden kann, ohne dass dieses darauf angerechnet wird. Mehr über das Pflegegeld finden Sie in der Rubrik Leistungen der Pflegeversicherung.

 

Nebenjobs

Sollten all diese Möglichkeiten der finanziellen Absicherung nicht ausreichen, bleibt die Alternative, einen Minijob oder Nebenjob aufzunehmen. Gerade in städtischen Gebieten gibt es oft viele solcher sogenannten geringfügigen Beschäftigungen. Meist sind dies Aushilfsjobs für relativ niedrig qualifizierte Tätigkeiten, wie Inventurhilfen, Aushilfen an der Kasse, im Service- oder Gastronomiebereich oder als Reinigungskraft. Für diese Art von Jobs liegt der maximale Monatsverdienst bei 450€. Mehr Informationen zu solchen Minijobs finden Sie auf der Internetseite der Arbeitsagentur.

Außerdem finden Sie in der Rubrik Pflege und Beruf wichtige Informationen darüber, wie Sie Pflege und Berufstätigkeit unter einen Hut bringen können.