Angehörige, die berufstätig sind und plötzlich einen pflege- oder unterstützungsbedürftigen Menschen zu versorgen haben, stehen oft unter enormen Stress und Druck, Beruf und Pflege zu vereinbaren. Dabei sollten Sie wissen, dass Sie das gesetzlich gesicherte Recht haben, sich aus diesem Grund spontan und kurzfristig von Ihrer Arbeit frei stellen zu lassen. So können Sie sich in Ruhe um alle akut auftretenden, organisatorischen Angelegenheiten bei Eintritt einer Pflegebedürftigkeit Ihrer Angehörigen kümmern (Pflegezeitgesetz). Wenn Sie sich außerdem dazu entscheiden, die Pflege Ihrer Angehörigen auch weiter langfristig zu übernehmen, hat der Gesetzgeber ein Gesetz geschaffen, dass Ihnen dies ermöglicht, ohne Ihren Beruf aufgeben zu müssen oder zu verlieren (Familienpflegezeitgesetz).

 

Auf den folgenden Seiten können Sie sich über die beiden wichtigen Gesetze zur Vereinbarkeit von Beruf und Pflege informieren.

Pflegezeitgesetz

Wenn in Familien Angehörige plötzlich pflegebedürftig werden, ist das für alle Familienmitglieder eine große Umstellung. Da solche Situationen meist plötzlich kommen und es oft nicht möglich ist, die Dinge in Ruhe abzuwägen, gilt es schnell Unterstützung zu organisieren und Pflege sicherzustellen. Häufig sind es Ehepartner oder Kinder, die dann zumindest in der Anfangsphase die Pflege übernehmen. Für Angehörige, die berufstätig sind, stellt dies aber schnell eine doppelte Belastung dar, die schwer zu bewerkstelligen ist. Es besteht die Gefahr, dass sie den Beruf vernachlässigen oder die Pflege aufgeben.

Der Gesetzgeber hat für diesen Fall das Pflegezeit-Gesetz geschaffen.

Das Pflegezeitgesetz ermöglicht Arbeitnehmenden auch eine Freistellung von maximal 10 Arbeitstagen sofort nach Eintritt des akuten Pflegefalls durch die sogenannte Kurzzeitige Arbeitsverhinderung. Sie können als Arbeitnehmende diese Freistellung ohne vorherige Zustimmung der Arbeitgeber in Anspruch nehmen, müssen diesen aber schnellstmöglich eine Benachrichtigung geben (wie bei einer eigenen Krankmeldung). Das Gehalt wird für diese Zeit nicht weitergezahlt, aber seit Januar 2015 können Sie bei der Pflegeversicherung Ihrer Angehörigen das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld als Lohnersatz beantragen.

Arbeitnehmende können weiterhin bis zu 6 Monate eine Auszeit von Ihrer Arbeit nehmen oder Ihre Wochenarbeitszeit reduzieren. Grundvoraussetzung dafür ist, dass die Pflegebedürftigen mindestens Pflegestufe I haben und zu Hause versorgt wird. Auch hier wird das Gehalt dann allerdings entsprechend gekürzt, beziehungsweise für die Auszeit nicht weiter gezahlt. Während der Pflegezeit besteht ein Sonderkündigungsrecht, sodass Sie nicht wegen der Pflege gekündigt werden dürfen.

Um eine Auszeit oder Arbeitszeitreduzierung nach dem Pflegezeitgesetz in Anspruch nehmen zu können, müssen Sie bei Ihren Arbeitgebern spätestens 10 Tage vorher eine schriftliche Benachrichtigung einreichen. Betriebe oder Firmen, die regelmäßig weniger als 15 Angestellte (inklusive Auszubildende) beschäftigen, dürfen Ihnen aber die Pflegezeit verweigern.

Wenn Sie sich dazu entschließen, eine komplette Auszeit vom Beruf zu nehmen, sind Sie nicht mehr über Ihre Arbeitgeber renten-, kranken-, pflege- und unfallversichert. Die Beiträge für die Renten- und Unfallversicherung können aber für Pflegepersonen übernommen werden. Mehr Informationen dazu finden Sie unter der Rubrik “Finanzielle Absicherung nach Berufsaufgabe.

Zur Pflege- und Krankenversicherung müssen Sie sich freiwillig versichern lassen, wenn Sie nicht durch eine Familienversicherung abgesichert sind. Die Pflegeversicherung erstattet aber auf Antrag die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bis zur Höhe des Mindestbeitrages. Auch bei einer privaten Kranken und Pflegeversicherung übernimmt die Pflegekasse auf Antrag den Mindestbeitrag.

In der Arbeitslosenversicherung müssen sie für die Dauer der Pflegezeit weiter versichert sein. Auch hier werden die notwendigen Beiträge von der Pflegekasse übernommen.

Lassen Sie sich bei Bedarf dazu bei Pflegeberatungsstellen beraten.

 

Zusammenfassende Übersicht zum Pflegezeit-Gesetz:

Leistung: Kurzzeitige Arbeitsverhinderung (§2 Pflegezeitgesetz) Pflegezeit (§3 Pflegezeitgesetz)
Inhalt der Leistung: Recht auf Freistellung nach akutem Pflegefall für max. 10 Arbeitstage Recht auf Freistellung oder Arbeitszeitreduzierung für max. 6 Monate
Lohnfortzahlung: Auf Antrag durch Pflegeunterstützungsgeld der Pflegeversicherung der/des Angehörigen
  • Nicht bei Freistellung
  • Bei Arbeitszeitreduzierung wird Gehalt angepasst
Voraussetzungen:
  • Pflegebedürftigkeit muss akut sein und einen nahen Angehörigen betreffen,
  • Arbeitgeber können ein Attest verlangen
  • Mindestens Pflegestufe I
  • Betrieb hat mehr als 15 Angestellte

 

Alle Texte in dieser Rubrik werden von Experten geprüft. Dieser Text wurde geprüft von: Silke Niewohner MPH, Gesundheitswissenschaftlerin, Coach und Expertin für Beruf und Pflege . Wir danken den jeweiligen Experten für Ihre wertvolle Unterstützung.

Familienpflegezeitgesetz

Das Familienpflegezeitgesetz soll es pflegenden Angehörigen erleichtern, neben der Pflege oder Unterstützung weiterhin erwerbstätig zu bleiben. Die Grundidee hinter dem Gesetz ist folgendes Modell:

Sie können ihre Arbeitszeit reduzieren und bekommen weiterhin einen großen Teil Ihres Gehalts ausgezahlt. Das Gehalt wird dabei nur halb so stark verringert, wie die Reduzierung der Arbeitszeit. Beispiele dazu finden Sie unten im Text. Wenn Sie dann wieder voll in den Beruf einsteigen, bekommen sie das reduzierte Gehalt weiterhin so lange, bis das Gehaltskonto ausgeglichen ist. Wenn Sie zum Beispiel für 14 Monate Familienpflegezeit in Anspruch nehmen und dafür ein erhöhtes Gehalt im Vergleich zu Ihrer Arbeitszeit bekommen, müssen Sie danach 14 Monate lang für ein geringeres Gehalt arbeiten.

Sie können Familienpflegezeit für maximal 24 Monate in Anspruch nehmen, aber nur, wenn Ihre Arbeitgeber dem zustimmt. Es gibt einen Rechtsanspruch gegenüber Ihren Arbeitgebern, wenn Ihr Betrieb mehr als 25 Angestellte beschäftigt.

Die Mindestarbeitszeit während der Pflegezeit liegt bei durchschnittlich 15 Stunden in der Woche. Arbeitnehmende haben während der Familienpflegezeit einen besonderen Kündigungsschutz. Zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmenden muss eine schriftliche Vereinbarung getroffen werden. Muster für diese Verträge und weitere Informationen zur Familienpflegezeit finden Sie auf der Internetseite des Bundesamtes für Familie.

 

Beispiele:

Beispiel 1

Beispiel 2

Beispiel 3

Monatliches Netto-Gehalt 1.500 € 1.200 € 1.500 €
Wöchentliche Arbeitszeit vor der Pflege 40 Stunden 30 Stunden 40 Stunden
Wöchentliche Arbeitszeit während der Pflegezeit 20 Stunden (=50%) 15 Stunden (=50%) 15 Stunden (=37,5%)
Gehalt während der Pflegezeit 1.125 € (=75%) 900.€ (=75%) 1.031,25 € (=68,75%)

 

Ihre Arbeitgeber müssen den Teil des Gehalts, das sie Ihnen während der Pflegezeit zusätzlich auszahlen, nicht selbst aufbringen. Sie bekommen dafür das Geld vom Staat geliehen und zahlen es dann mit dem Lohnüberschuss von Ihnen wieder zurück, wenn Sie wieder in den Beruf einsteigen.

 

Zusammenfassung:

Leistung: Familienpflegezeit
Inhalt:
  • Reduzierung der Arbeitszeit für max. 2 Jahre
  • Gehalt wird im Verhältnis zur Arbeitszeitreduzierung dabei nur halb so hoch reduziert
  • Gehaltskonto muss nach Pflegezeit wieder ausgeglichen werden durch mehr Arbeit für weniger Lohn
Voraussetzungen:
  • Zustimmung der Arbeitgeber bei Betrieben mit weniger als 25 Angestellten
  • Wöchentliche Mindestarbeitszeit von durchschnittlich 15 Stunden

 

Alle Texte in dieser Rubrik werden von Experten geprüft. Dieser Text wurde geprüft von: Silke Niewohner MPH, Gesundheitswissenschaftlerin, Coach und Expertin für Beruf und Pflege . Wir danken den jeweiligen Experten für Ihre wertvolle Unterstützung.

Die Texte wurden im Oktober 2015 aktualisiert.