Susanne’s Tag beginnt um 5 Uhr morgens. Da hat sie ein paar Momente für sich, um ihr Tagebuch zu schreiben. Dann geht es los: Sie macht sich für die Arbeit fertig, weckt ihre Mutter, wartet auf den Pflegedienst und bringt die Pflegekraft dann auf den neusten Stand, bespricht mit ihrem Mann, wer in der Mittagspause die Wocheneinkäufe macht und verlässt dann um 7 Uhr das Haus.

Das Haus verlässt sie zwar, ihre Sorgen nimmt sie aber mit. Wie viel länger können sie sich noch den täglichen Pflegedienst leisten? Wie wird ihre Mutter die neuen Medikamente vertragen? Wann wird sie und ihr Mann endlich mal etwas Zeit für sich haben? Wann wird ihr Chef ihre Bitten nach verlängerten Mittagspausen und früheren Arbeitszeiten nicht mehr hören können?

Susanne hat zwar ihre 7 Stunden Schlaf bekommen, aber ihre Sorgen belasten sie so sehr, dass sie sich fühlt, als hätte sie seit Jahren nicht mehr richtig geschlafen.

 

Die Pflege eines Angehörigen kann herausfordernd sein – Neben der Pflege noch zu arbeiten ist noch eine größere Herausforderung. Deswegen wollen wir Ihnen im Folgenden Ratschläge zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf geben. Wir hoffen Ihnen damit ein bisschen helfen zu können.

Tipps für berufstätige Angehörige:

Thomas muss heute seinen Arbeitsplatz früher verlassen, denn er muss seinen Vater aus der Tagespflege abholen. Normalerweise kümmert sich die Tagespflegestätte selbst um das Abholen und Heimbringen der Besucher, aber heute ist der Fahrer krank und ein Ersatz konnte nicht gefunden werden. Thomas‘ Chef hat ihm den früheren Feierabend gestattet, allerdings merkt Thomas, dass der Geduldsfaden seines Chefs und seiner Kollegen bald gerissen ist.

Seine Kollegen sind ungefähr gleich alt wie er, haben aber keine Familienmitglieder, um die sie sich kümmern müssen. Sie sagen zwar, dass sie seine Situation und sein Bedürfnis nach Flexibilität verstehen, aber manchmal zweifelt Thomas, ob das tatsächlich so ist. Ausgerechnet heute ist auch der letzte Tag vor der Abgabe eines wichtigen Projekts und die Stimmung ist sowieso schon gereizt. Alles in allem also echt schlechtes Timing.

 

Berufstätigkeit und Pflege zu vereinbaren kann ein schwieriger Balanceakt sein. Es kann sich so anfühlen, als stände der Chef auf der einen Seite gegen den pflegebedürftigen Angehörigen auf der anderen Seite. Wie können Sie es schaffen, diesen „Kampf“ nicht auf beiden Seiten zu verlieren?

 

Ein paar Tipps:

  1. Informieren Sie sich über Regelungen Ihres Unternehmens. Immer mehr Unternehmen stellen sich auf die besonderen Bedürfnisse pflegender Angehöriger ein und bieten flexible Unterstützungsmöglichkeiten an. Das kann beispielsweise Hilfe bei der Organisation von Pflege und dem Finden nützlicher Dienste sein, Seminare in der Mittagspause, flexible Arbeitszeiten und Beratung. Wenden Sie sich an die Human Resources Abteilung oder an Betriebsrat und Gewerkschaftsvertreter oder informieren Sie sich bei Ihren Vorgesetzten.
  2. Machen Sie sich klar, dass niemand Sie wegen Ihrer Pflegetätigkeit diskriminieren oder benachteiligen darf! Wenden Sie sich an den Betriebsrat oder Gewerkschaftsvertreter, wenn Sie das Gefühl haben, benachteiligt zu werden.
  3. Informieren Sie sich über betreffende Gesetzen, wie das Pflegezeitgesetz und das Familienpflegezeitgesetz. Beide sollen es Arbeitnehmern ermöglichen, Beruf und Pflege miteinander zu vereinbaren, indem eine befristete Arbeitsfreistellung genommen werden kann. Mehr Informationen dazu finden Sie in der Rubrik „Gesetze und Ansprüche“.
  4. Setzen Sie sich mit Ihrem Chef zusammen. Erklären Sie ihm Ihre Situation und wie Sie sich das Arbeiten neben der Pflege vorstellen. Fragen Sie Ihren Chef, wie er oder sie diesen Plan findet. Sie könnten das Gespräch beispielsweise so beginnen: „Meinem Vater geht es sehr schlecht und er lebt jetzt bei mir. Ich habe professionelle Pflege und Pflege durch unsere Familie organisiert, sodass mein Vater gut betreut wird, während ich auf der Arbeit bin. Trotzdem kann es passieren, dass spontane Krisensituationen entstehen können, sollte sich der Gesundheitszustand meines Vaters verschlechtern. Ich würde deswegen gerne mit Ihnen darüber sprechen, was der beste Weg wäre, um mit solchen Situationen hier umzugehen.” Sie könnten außerdem Ihren Chef fragen, wie Sie Ihre Situation gut Ihren Kollegen und Kolleginnen erklären können.
  5. Sie können versuchen, herauszufinden, ob ein Kollege oder eine Kollegin auch schon mal in einer ähnlichen Situation wie Sie war. Sie können sich dann darüber austauschen.
  6. Machen Sie sich einen Überblick, wer Ihnen wie helfen kann (Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, Professionelle). Fragen Sie diese nach Unterstützung und scheuen Sie sich nicht, diese anzunehmen. Eine Pflegeberatung in Pflegestützpunkten oder anderen Einrichtungen kann Ihnen helfen, einen Pflegeplan zu erstellen und nützliche Hilfen zu finden.
  7. Bereiten Sie einen „Notfallplan“ vor, für den Fall, dass Sie wegen der Pflege mal nicht im Unternehmen sein können. Stellen Sie sich dazu alle „Was wäre, wenn…“ – Fragen, an die Sie denken können. Holen Sie sich außerdem Meinungen und Tipps von Familienmitgliedern, Freunden, anderen pflegenden Angehörigen oder auch Pflegeberatungsstellen. Falls es angemessen ist, können Sie auch Kollegen und Ihren Chef mit einbeziehen.
  8. Stellen Sie Familienmitgliedern und Ihren pflege- oder unterstützungsbedürftigen Angehörigen klare Grenzen auf, wie viel Zeit Sie ihnen geben können, wenn Sie auf der Arbeit sind. Sie könnten Ihnen beispielsweise etwas Zeit während Ihrer Mittagspause einräumen oder ein paar Minuten am Nachmittag. Für Krisensituationen sollten Sie natürlich andere Regelungen treffen, aber Ihren Angehörigen und Familienmitgliedern auch mitteilen, was für Sie eine Krisensituation ausmacht.
  9. Verzeihen Sie sich schlechte Tage und erlauben Sie sich einen neuen Anfang am nächsten Tag. Und denken Sie mal darüber nach: Wenn Sie in fünf Jahren auf diese Zeit zurück blicken, welche Entscheidungen werden Sie stolz machen?

Tipps für Selbstständige

Ein eigenes Unternehmen zu führen und gleichzeitig eine/n Angehörige/n zu pflegen kann sehr herausfordernd sein. Wir haben ein paar Hinweise zusammengestellt, die Ihnen helfen können.

  1. Für ein gutes Zeitmanagement, legen Sie feste Zeiten in ihrem Arbeitstag fest, die Sie für Aufgaben rund um die Pflege oder Betreuung reservieren. Beispielsweise nehmen Sie sich jeden Morgen etwas Zeit, um nach Ihren Angehörigen zu sehen oder etwas Zeit in Ihrer Mittagspause um Informationen einzuholen oder involvierte Familienangehörige auf dem Laufenden zu halten. Ihren Tag können Sie abends dann zum Beispiel mit einem weiteren Besuch bei Ihrem Angehörigen beenden. Behalten Sie dabei die Fragen im Hinterkopf: Was ist für Sie machbar? Was braucht ihr/e Angehörige/r und was fordert Ihr Unternehmen?
  2. Bereiten Sie einen „Notfallplan“ vor, für den Fall, dass Sie wegen der Pflege mal nicht im Unternehmen sein können. Stellen Sie sich dazu alle „Was wäre, wenn…“ – Fragen, an die Sie denken können. Holen Sie sich außerdem Meinungen und Tipps von Mitarbeitern, Angestellten, Geschäftspartnern oder auch Pflegeberatungsstellen.
  3. Stellen Sie ein „mobiles Büro“ zusammen, dass Sie bei Bedarf transportieren können. Zum Beispiel zur Wohnung Ihrer Angehörigen, zu Ihnen nach Hause oder sogar für unterwegs.
  4. Machen Sie sich bewusst, wer Ihnen wie helfen kann (Familienmitglieder, Freunde, Nachbarn, Professionelle). Fragen Sie diese nach Unterstützung und scheuen Sie sich nicht, diese anzunehmen. Eine Pflegeberatung in Pflegestützpunkten oder anderen Einrichtungen kann Ihnen helfen, einen Pflegeplan zu erstellen und nützliche Hilfen zu finden.
  5. Bereiten Sie sich auf den Fall vor, dass Ihre Umsätze sinken. Wie können Sie darauf in Ihrem Unternehmen reagieren? Was müssen Sie dort verändern? Denken Sie auch darüber nach: Können Sie Aufträge auslagern oder andere Unternehmen beauftragen, falls die Pflegeaufgaben für Sie zur Priorität werden? So können Sie Ihren Kundenstamm behalten und trotzdem Ihr Engagement zurückfahren. Achten Sie aber auf klare Kommunikation mit Ihren Kunden.
  6. Schreiben Sie eine Erklärung für Ihre Kunden und Angestellten, für den Fall, dass Sie für längere Zeit nicht im Unternehmen sein können. Schreiben Sie diese Erklärung schon jetzt, denn wenn eine Krise eintritt, könnten Sie emotional oder zeitlich dazu nicht in der Lage sein. Die Erklärung kann so einfach sein, wie: „Meiner Mutter geht es sehr schlecht. Ich kann deswegen zur Zeit nicht im Unternehmen sein, da ich mich um sie kümmere.“ Teilen Sie Ihren Kunden und Angestellten dann auch mit, was Sie für diese Zeit von Ihnen erwarten können (dafür können Sie ihren Notfallplan nutzen).
  7. Trainieren Sie Angestellte, damit diese Verantwortung übernehmen können. So können Sie wichtige Aufgaben delegieren, falls Sie nicht im Unternehmen sein können. Kommunizieren Sie dabei Ihre Erwartungen und bleiben Sie für Ihre Mitarbeiter erreichbar.
  8. Verzeihen Sie sich schlechte Tage und erlauben Sie sich einen neuen Anfang am nächsten Tag. Und denken Sie mal darüber nach: Wenn Sie in fünf Jahren auf diese Zeit zurück blicken, welche Entscheidungen werden Sie stolz machen?

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