Sie haben sicher schon gemerkt, dass die Pflege Ihr Leben und Ihren Alltag ganz schön stark bestimmen kann. Darüber hinaus hat es auch Einfluss auf alle anderen Menschen in Ihrem Leben, ganz besonders auf Ihren (Ehe-) Partner.

Wie können Sie auch ihm/ihr genug Zeit in Ihrem Leben einräumen, wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger so viel Zeit von Ihnen benötigt?

Wir wollen Ihnen ein paar einfache Tipps geben, wie Sie trotz der zeit-einnehmenden Pflegeaufgaben eine gute Beziehung führen können. Denn diese ist die Basis für ein glückliches Leben. Scheuen Sie sich nicht, daran zu arbeiten. Es lohnt sich!

Gemeinsame Zeit füreinander finden

Kein Wunder, dass die Übernahme der Pflege Ihres Angehörigen sich auf die Beziehung zu Ihrem Partner ausgewirkt hat. Laut Penny R. Tupy, einer professionellen Eheberaterin, geraten viele Ehen in eine Krise, wenn eine solch große Veränderung eintritt. “Es verändert sich etwas in unserem “Zeitkonto”, dass wir den Menschen in unserem Leben geben”, erklärt sie. Die Pflege eines Angehörigen nimmt viel Zeit in Anspruch, die wir vorher anderen Menschen in unserem Leben gegeben haben. Wenn wir Pflegeaufgaben übernehmen, nehmen wir unbewusst Zeit aus unserer Ehe oder Beziehung, in dem unbewussten Mutmaßen, dass unser Partner dafür Verständnis hat. “Das ist falsch”, sagt Penny. “Wir brauchen diese gemeinsame Zeit als Paar. Wenn wir hier kürzen, sind wir nicht mehr das gleiche Paar, wie vorher.” Penny ermutig pflegende Angehörige, sich nicht zu scheuen und andere Familienmitglieder zu fragen, etwas Zeit für die Pflege zu opfern. “Mein Kind wird es verkraften, wenn ich mal eines seiner Fußballspiele verpasse. Ich aber habe dann Zeit für meinen Partner”, erklärt Penny. “Mein Kind wird es aber nicht einfach so verkraften, wenn meine Ehe auseinander brechen würde.

 

Tipps, um mehr Zeit für Ihre Partner zu schaffen: 

  1. Planen und verabreden Sie die gemeinsame Zeit im Voraus.
  2. Machen Sie das Beste aus der Zeit, die Sie gemeinsam haben. Es geht um die Qualität, nicht die Quantität.
  3. Planen Sie gemeinsame Aktivitäten, die nicht so anstrengend sind und die Sie viel Energie kosten.
  4. Versuchen Sie, eine entspannte und liebevolle Zeit gemeinsam zu haben. Fühlen Sie sich wohl, sicher und geborgen.
  5. Wenn es für Sie und Ihre Partner Sinn macht und Sie viel Zeit mit Autofahren verbringen, besorgen Sie sich ein Head-Set oder eine Freisprechanlage und telefonieren Sie miteinander während der Fahrt.

Penny ermutigt die Paare, sich gegenseitig ernst zu nehmen: “Seien Sie Ihrem Partner gegenüber offen, interessiert und erreichbar”, sagt sie. Und begegnen Sie Ihren Partnern in einer positiven Art und Weise, ohne Ironie, Sarkasmus oder Skepsis. So bekommen Sie auch zu 70% positive Reaktionen von Ihren Partnern. Wenn Sie Ihnen aber mit einer negativen Einstellung begegnen, bekommen Sie auch zu 99.9% negative Reaktionen zurück.

Bevor Sie die Pflege übernommen haben, hatten Sie wahrscheinlich die gemeinsame Kontrolle über Ihr Liebesleben. Nun kann es so scheinen, als ob Sie der Pflege nicht nur Ihre Freizeit opfern mussten, sondern auch Ihr Liebesleben. Versuchen Sie, Neues auszuprobieren um ihm wieder auf die Sprünge zu helfen. Penny schlägt Folgendes vor:

  1. Machen Sie einen Salsa Tanzkurs zusammen.
  2. Probieren Sie zusammen etwas aus, dass Sie beide vorher noch nie gemacht haben.
  3. Vielleicht wirken auch erotische Dessous Wunder?

Abschließend empfiehlt Penny allen Paaren, sich immer zu versuchen, in den anderen hineinzuversetzen und ihn zu verstehen.

 

Über Penny: Penny R. Tupy ist eine professionelle Eheberaterin. Sie ist eine erfahrene Expertin auf ihrem Gebiet in den USA und Gründungsmitglied von Coachville, der weltgrößten Organisation für Coaching. Außerdem ist sie Gründungsmitglied der “International Association of Coaches (IAC) und Mitglied des “National Council on Secual Addiction and Compulsivity”.

Richtig miteinander sprechen

Prioritäten zu setzen mag vielleicht das Schwierigste sein, wenn es darum geht, Pflege und Beziehung unter einen Hut zu bekommen. Wie können Sie Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen helfen, der Sie so sehr braucht und trotzdem Zeit für Ihren Partner frei machen? Cathy Hazzlerigg, eine Lebens- und Beziehungsberaterin, lebt nach der Devise: Die Ehe kommt zuerst. Um das zu erreichen, ist es wichtig, offen und ehrlich zueinander zu sein. Cathy gibt deswegen ein paar Tipps für die Kommunikation mit Ihren Partnern:

  • Sprechen Sie aus der “Ich-Perspektive”. Wenn Sie aus dieser Perspektive sprechen (Ich denke, Ich fühle, Ich mache mir Sorgen…), übernehmen Sie die Zuständigkeit für das, was Sie fühlen, was Sie wollen und brauchen. Dadurch vermeiden Sie es, den anderen zu beschuldigen (“Wegen Dir geht es mir so schlecht!”) und können so konstruktiv miteinander reden.
  • Versuchen Sie, Ihre Partner in die Lösung von Problemen mit einzubeziehen. So spielen sie eine Rolle darin, die Dinge besser zu machen. Wenn Sie beide an Problemen zusammen arbeiten, sind Sie ein Team.
  • Seien Sie bestimmt und sagen Sie, was Sie wollen und wie Sie die Dinge gerne hätten. Ihre Partner können Ihre Gedanken nicht lesen, egal, wie gut Sie sich kennen.
  • Seien Sie ein aktiver Zuhörer. Reflektieren Sie das, was Sie von Ihrem Partner verstanden haben, indem Sie es wiederholen und somit sicher gehen, dass Sie ihn /sie richtig verstanden haben (“Wenn ich dich richtig verstehe…”). So vermeiden Sie Missverständnisse.
  • Vermeiden Sie es, passiv aggressiv zu reagieren. Sagen Sie sich selbst: “Ich werde ruhig bleiben”. Wenn Sie merken, dass Sie wütend werden oder sich aufregen, bitten Sie Ihren Partner, das Gesagte noch einmal anders auszudrücken. Sollten Sie dann merken, dass die Wut oder Frustration Sie nicht los lässt, unterbrechen Sie die Diskussion und vereinbaren Sie mit Ihren Partnern, dass Sie das Gespräch später weiterführen, wenn Sie sich beide etwas abgeregt haben.
  • Sehen Sie Ihre Kommunikation als Prozess. Diskutieren Sie eine Situation, geben Sie sich Zeit zum Nachdenken, wägen Sie potentielle Lösungen ab, versuchen Sie die Lösung und schätzen Sie dann ein, wie erfolgreich der Lösungsversuch war. Es kann viel Druck und Stress von Ihnen nehmen, wenn Sie diesen Prozess als ein praktisches Ausprobieren sehen, wo es auch mal Irrtümer geben darf.
  • Versuchen Sie, sich in Ihre Partner hineinzuversetzen. Wenn Sie Ihre Partner verstehen, können Sie viel besser kommunizieren und gemeinsam an der Lösung von Problemen arbeiten.
  • Suchen Sie nach Lösungen, die allen gefallen, einschließlich Ihnen und Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen. Jeder kann Kompromisse eingehen, niemand sollte als Einzige/r Opfer bringen müssen.

Eine Beziehung am Laufen zu halten benötigt viel Arbeit, wie alle schönen Dinge im Leben, sagt Cathy. Auf folgende Dinge können Sie dabei achten:

  • Sorgen Sie sich um die Bedürfnisse Ihrer Partner. Fragen Sie sich: “Was kann ich für meinen Partner tun?”
  • Respektieren Sie Ihren Partner.
  • Sehen Sie die Stärken Ihres Partners und nicht die Schwächen. Je mehr Stärken Sie in ihm/ihr erkennen, umso stärker und schöner kann Ihre Beziehung werden.

Manchmal haben sich aber Probleme schon so hochgeschaukelt oder Kommunikationsmuster so festgefahren, dass professionelle Hilfe sinnvoll sein kann, um Ihre Beziehung wieder auf Vordermann zu bringen. Hier sind einige möglich Warnhinweise:

  1. Es fühlt sich an, als wären Ihre Gespräche und Diskussionen festgefahren und die Argumente und Streitpunkte immer die selben. Es dreht sich immer im Kreis ohne, dass Sie eine Lösung finden.
  2. Sie streiten sehr viel und haben das Gefühl, dass die Liebe verloren gegangen scheint.
  3. Manchmal drücken sich Konflikte auch durch Schweigen aus. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie und Ihr Partner sehr distanziert geworden sind, könnte es helfen, mit professionellen Beratern zu sprechen.

Stellen Sie sich Ihre Beziehung wie ein Auto vor, sagt Cathy. Wenn Sie nie das Öl wechseln, wird es irgendwann nicht mehr funktionieren. Damit es jeden morgen anspringt und auch ein paar Dellen aushält, muss es regelmäßig gewartet werden. Das gleiche gilt für Ihre Beziehung. Liebevolle Pflege hält sie am Laufen. So werden Sie sie auch nach den Schlaglöchern des Lebens auch wieder sicher auf Kurs bringen.

 

Autorin: Cathy Hazzlerigg – erfahrene und ausgebildete Lebens- und Paarberaterin und DISC Personality Trainerin.

 

“Es liegt nicht an ihm, es ist mein Lagerkoller.”

Wir sprachen mit Jenny Henson, einer pflegenden Angehörigen, über ihre Erfahrungen, wie die Pflege Ihre Ehe beeinflusst hat. Jenny ist eine 47 Jahre alte Pflegende aus Kentucky, USA.

Caregiving: Erzählen Sie uns etwas über Ihre Pflegesituation. Wie lange pflegen Sie schon? Was leisten Sie an Pflege oder Unterstützung konkret?

Jenny: Ich pflege seit ungefähr 2,5 Jahren meinen Onkel Peter. Davor arbeitete ich als Pflegehilfskraft in einem Pflegeheim. Diesen Job gab ich auf, um mich um meinen Onkel zu kümmern. Was meine Aufgaben angeht? Alles, was Sie sich ausdenken können: Gesetzliche Vertretung, das Kümmern um seine finanziellen Angelegenheiten, baden, anziehen, Haare schneiden und waschen, Maniküre und Pediküre, Termine machen und regeln. Ich mach ALLES.

Caregiving: Wie, wenn überhaupt, haben Sie über diese Aufgaben mit Ihrem Ehemann gesprochen, bevor Sie die Pflege übernahmen? Haben Sie beispielsweise darüber gesprochen, wer welche Aufgaben übernehmen wird? Falls Sie nicht darüber gesprochen haben, wünschen Sie sich im Nachhinein, das getan zu haben?

Jenny: Oh ja, darüber haben wir gesprochen. Das können Sie mir glauben…lange und ausführlich. Mein Mann war derjenige, der vorschlug, dass mein Onkel doch bei uns einziehen könnte. Ich sagte ihm, er wüsste gar nicht, auf was er sich damit einlasse. Er hatte vorher noch nie Kontakt mit einem Menschen mit Alzheimer, mit alten Menschen generell wenig. Ich erledige alle Pflegeaufgaben selber, weil mein Onkel es nicht mag, wenn ein Mann ihn pflegt. Das verstehe ich auch und da habe ich auch kein Problem mit.

Mein Mann ist ein Schatz! Er kocht und macht sauber, damit ich meinem Onkel beim Baden helfen kann oder ihm seine Medikamente geben kann. Auch wenn ich es zum Beispiel nicht schaffe, Staub zu wischen, macht er das. Er wäscht seine eigene Wäsche, sodass ich nur noch meine und Peter’s Wäsche machen muss. Er geht auch einkaufen und nimmt immer sein Handy mit, damit er mich anrufen kann, wenn er Fragen hat. Wir haben auch ein paar Mal versucht, Peter mit zunehmen. Hat aber nicht funktioniert..er nimmt gerne einfach Dinge aus den Regalen. Aber immer wenn ich meinen Mann brauche, ist er für mich da und gibt sein Bestes.

Caregiving: Was war für Sie die größte Umstellung in Ihrer Ehe wegen der Pflege?

Jenny: Hmm…wo fange ich an. Unser Liebesleben, natürlich. Es ist schwer, romantisch zu sein, wenn man den Baby Monitor anhat und die ganze Zeit das laute Schnarchen von meinem Onkel hört. Daran mussten wir uns erst gewöhnen. Die größte Umstellung war, dass wir nicht mehr die Freiheit hatten, wann wir wollten, hinzugehen, wohin wir wollten. Das haben wir bisher immer gemacht, weil wir nur zu zweit waren. Wir haben immer gemacht, was wir gerade wollten. Das ging nun nicht mehr!

Caregiving: Was war denn bisher die größte Herausforderung, vor der Sie standen und wie haben Sie sie gelöst?

Jenny: Die größte Herausforderung war der Lagerkoller. Für uns beide. Wie lösen…Tag für Tag, sonst wären wir verrückt geworden und hätte keine Haare mehr. Uns hat es geholfen, dass wir uns gegenseitig Freiraum gegeben haben. So konnten wir beide unseren Hobbies nachgehen. Das hat uns viel Arbeit gekostet und wir mussten sehr flexibel sein, um dem anderen diese Freiräume ermöglichen zu können. Aber Sie müssen wissen, dass wir immer beide zu Hause blieben. Keines unserer Hobbies war ein “Draußen”-Hobby. Wir mussten immer ein Auge auf meinen Onkel werfen können. Mein Mann liebte es, Filme an seinem Comupter zu erstellen, das hat also gut gepasst. Manchmal hat er sich ins Gästezimmer gelegt und dabei nach meinem Onkel geschaut, sodass ich im Bett entspannt mein Buch lesen konnte – ganz alleine.

Caregiving: Was haben Sie durch die Pflegesituation neues über Ihren Mann, Ihre Ehe und sich selbst gelernt?

Jenny: Ich habe gelernt, dass, wenn ich sauer werde, dass er rosa Klopapier kauft statt weißes, ich nicht wirklich wütend bin. Das ist halt dieser Lagerkoller. Wenn wir wütend aufeinander werden, sprechen wir erst dann weiter, wenn wir uns beide abgeregt haben. Einmal haben wir drei Tage lang nicht miteinander geredet, weil wir nichts sagen wollten, was wir dann nicht mehr zurücknehmen können.

Caregiving: Welchen Rat würden Sie anderen pflegenden Angehörigen geben, die damit zu kämpfen haben, Ihre Ehe und die Pflege unter einen Hut zu bringen?

Jenny: Sie müssen unbedingt Zeit für sich selbst schaffen…unbedingt! Egal ob es das Lesen von 2 Seiten in Ihrem Buch sind oder eine Tasse Kaffee. Sie müssen Kompromisse eingehen und Verantwortung abgeben und teilen. Wenn Sie das nicht tun, haben Sie bald zwei wütende Menschen um sich – Ihren Partner und Ihren Angehörigen. Mein Mann und ich haben gelernt, uns unsere Freiräume zu geben, damit wir uns als Personen weiterentwickeln können und nicht wahnsinnig werden.

Aber am wichtigsten: Verlieren Sie nicht Ihren Humor und nehmen Sie Tiefschläge nicht zu ernst.

Inhalte übersetzt aus Originalquelle. Mit freundlicher Genehmigung von: