Für manche Menschen kann sich die Pflege eines Stiefelternteils anders anfühlen, als die Pflege eines Mitglieds der eigenen Familie.

Manchmal ist es schwierig, zu entscheiden welchem Familienmitglied Sie am ehesten Ihre Aufmerksamkeit schenken sollen, gerade, wenn Sie einen älteren Menschen pflegen oder betreuen. Ihr Mann will vielleicht über das Wochenende verreisen. Aber wer kümmert sich dann um Mutter? Ihre Tochter braucht Ihre Hilfe bei den Hausaufgaben. Und mit Ihrer Enkelin verbringen Sie auch so gerne Zeit. Aber wer kümmert sich dann um Mutter? Ihre beste Freundin ruft an: Sie will mit Ihnen zum Essen und ins Kino am Freitag. Das klingt großartig, aber: Wer kümmert sich dann um Mutter?

Prioritäten zwischen Familienmitgliedern und Ihren eigenen Bedürfnissen zu setzen ist nicht einfach. Was, wenn nun statt Ihrer Mutter Ihre Stiefmutter pflegebedürftig wäre, die zweite Frau Ihres Vaters? Sind Sie wirklich diejenige, die helfen sollte? Was ist mit ihren Kindern oder Geschwistern?

Sie mögen sich vielleicht fragen: Ich würde so ein “Opfer“ vielleicht für meine eigene Mutter bringen, aber soll ich wirklich so viel für meine Stiefmutter aufgeben? Im folgenden wollen wir Ihnen einige der Themen näher bringen, die Sie betreffen können, wenn Sie die Pflege eines Stiefelternteils übernehmen.

Häufige Probleme

Conny war 21 Jahre alt, als sich ihre Eltern scheiden ließen und 25 Jahre alt, als ihr Vater wieder heiratete. Die Scheidung hatte sie nicht schockiert, obwohl es schwer war, sich daran zu gewöhnen, von nun an zwei Orte über Weihnachten besuchen zu müssen. Als sie dann selbst heiratete und ihre eigene Familie gründete, nahm alles wieder einen gewohnten Lauf.

25 Jahre später fühlt es sich für Conny auf einmal wieder so an, als würden ihre Eltern sich scheiden lassen. Die neue Frau ihres Vaters, Nicole, erlitt einen Schlaganfall und war nun gelähmt. Zwar pflegt ihr Vater sie, doch Conny muss trotzdem regelmäßig unterstützen und mit-pflegen. Conny’s Mutter Monika belastet das sehr.

 

“Nie hast du mehr Zeit für mich”, beschwert sich Monika bei Conny. “Wir treffen uns nicht mehr zum Mittagessen, wie wir es früher gemacht haben. Immer hilfst du deinem Vater und dieser Frau. Ihr kannst du Zeit in deinem Leben gönnen. Wieso nicht mir?”

Conny tut ihr Bestes um ihre Position zu erklären – sie hilft ja eigentlich mehr ihrem Vater als ihrer Stiefmutter. Aber Conny’s Mutter weigert sich irgendeine Erklärung anzunehmen, die nicht ihrem Realitätsverständnis entspricht: Conny zieht ihre Stiefmutter ihrer eigenen Mutter vor.

Die Spannungen zwischen Conny und ihrer Mutter sind unerträglich geworden. Conny fühlt sich schuldig, wenn sie bei ihrem Vater ist, obwohl sie weiß, wie sehr er sie braucht. Außerdem genießt sie die Gesellschaft ihrer Stiefmutter. Mehr als sie je dachte. Sie freut sich, helfen zu können. Aber was kann sie wegen ihrer Mutter tun?

 

David hat ein sehr enges Verhältnis zu seinem Vater; seine Mutter verließ ihn und seinen Vater als er noch ein kleiner Junge war. Er hatte kaum Kontakt zu ihr, als er aufwuchs, da sie wegzog und neu heiratete. Er erinnert sich, dass er sie erst vermisste, aber das er nach und nach froh war, das sein Vater da war und sich um ihn kümmerte.

Nun ist seine Mutter wieder zurückgezogen, zusammen mit ihrem Mann, der eine Alzheimer Erkrankung hat. Sie hat ihn auch die letzten Monate öfter angerufen und ihn nach Rat in Angelegenheiten der Pflegeversicherung und Finanziellem zu fragen, was die Pflege ihres Mannes betrifft. Zuerst dachte er, die Anrufe seien eine Chance, wieder eine Beziehung zu seiner Mutter aufzubauen. Aber inzwischen fühlt er sich nur noch ausgenutzt.

Warum sollte ich ihr und ihrem Mann jetzt helfen? Als ich klein war und Hilfe brauchte, tat sie das schließlich auch nicht.

 

Elisabeth, Johannes und Mathias sind Geschwister und standen sich schon immer sehr nahe. Als sich ihre Eltern trennten, blieben sie bei ihrer Mutter. Ihr Vater heiratete später eine Frau, mit der sich die Geschwister aber gut verstanden.

Nun hat Julia, die neue Frau ihres Vaters, die Pflege ihres Vaters übernommen, der an Parkinson erkrankte. Aber seit sie die Pflege übernahm, mochten die Geschwister sie immer weniger. Sie stellen ihre Motive in frage und waren überzeugt, dass ihr Vater das alles so eigentlich nicht wolle. Ihre Mutter hätte das alles viel besser gemacht.

Sogar die Besuche bei ihrem Vater werden nun kürzer, weil sie seine Frau so wenig mögen. Es scheint, als würden sie die negativen Gefühle für Julia auch auf ihren Vater übertragen. Die Besuche werden weniger und kühler.

 

Sarah und Clara sind Stiefschwestern, die, seit dem sie Jugendliche waren, zusammenlebten. Sie verstehen sich gut, obwohl sie auch nie eine richtig enge Beziehung hatten.

Bis schließlich Sarah’s Mutter und Clara’s Stiefmutter an Krebs erkrankte. Sarah erwartet von Clara etwas Unterstützung: Schließlich hatte ihre Mutter sich um Clara gekümmert, nachdem deren Mutter sie verlassen hatte. Aber es scheint, als hätte Clara immer eine Ausrede, wenn es darum geht, zu helfen – seien es dringende Projekte auf Arbeit, Beziehungsprobleme oder ein kaputtes Auto.

Sarah fühlt sich aber völlig ausgebrannt. Sie braucht Clara’s Hilfe –  das ist für sie einfach zu viel. Ihre Wut darüber, dass Clara sie nicht unterstützt dominiert jeden ihrer Tage. Sie bemerkt sogar, dass sie diese Wut nun oft an ihren Kindern und ihrem mann auslässt.

 

Es ist irgendetwas an der Pflege eines Familienmitglieds, das in uns allen das innere Kind zum Vorschein bringt.

Sobald die Mutter Hilfe braucht, fangen die Kinder an sich über Dinge zu streiten, die vor 33 Jahren unter den Teppich gekehrt wurden. Pflegende Angehörige fühlen auf einmal wieder die Gefühle, die sie seit ihrer Jugend nicht mehr gegenüber ihren Eltern und Geschwistern gefühlt hatten.

Deswegen werden oft alte Wunden wieder aufgerissen, wenn ein Stiefelternteil Pflege und Unterstützung benötigt. Wunden, die durch die Scheidung oder dem Tod der Eltern vor der Wiederverheiratung entstanden. Wenn Sie damals ihre Stiefmutter für die Scheidung ihrer Eltern beschuldigt haben, werden sie diese wahrscheinlich auch für den Schlaganfall ihres Vaters verantwortlich machen.

Diese Emotionen können sie in ein Gefühlschaos stürzten und Auswirkungen auf ihre Beziehung zu Ihrem Stiefelternteil, Ihren Eltern und anderen wichtigen Beziehungen in Ihrem Leben haben.

Wie können Sie also mit dieser neuen Rolle aus Pflegeperson von Stiefeltern umgehen? Hier sind ein paar Tipps, wie Sie alte Wunden heilen können und die Beziehung zu Ihrer Familie verbessern können:

  1. Finden Sie heraus, was Ihr Vater oder Ihre Mutter an Ihrer Stiefmutter oder Ihrem Stiefvater lieben. Vielleicht sehen Sie Ihre Stiefmutter eher durch die Augen Ihrer Mutter: als “die andere Frau”. Aber Ihr Vater muss in Ihrer Stiefmutter etwas ganz wundervolles sehen. Können Sie versuchen, auch das Gute in ihr zu sehen – den Grund, warum Ihr Vater diese Frau geheiratet hat? Die Beschäftigung mit dem Positiven kann die Zeit, die Sie mit Ihrem Vater haben, verschönern, anstatt sich über das Negative aufzuregen.
  2. Um wen – oder was – geht es eigentlich wirklich? Manchmal kann der Stiefelternteil das unschuldige Opfer sein, das alle für das Ende der Ehe der Eltern, oder was davon noch übrig war, beschuldigen. Natürlich kann der Stiefelternteil manchmal tatsächlich eine Rolle in der Scheidung der Eltern gespielt haben. Aber die Person war nicht die einzige, die dafür verantwortlich war. Geht es also bei den negativen Gefühlen, die Sie gegenüber Ihrem Stiefelternteil haben tatsächlich um diese Person? Beziehen sie sich auf die Unfähigkeit Ihrer Eltern, ihre Beziehung auf die Reihe zu bekommen? Oder vielleicht auf deren Unvermögen, sich während der Scheidung um Sie zu kümmern? Oder darum, wie unfair es ist, dass Ihr Vater so jung starb? Das alles können Gedankenspiele sein, die sie sich gegebenenfalls stellen können – die Antworten mögen aber schwerer zu finden sein. Geben Sie sich Zeit, die wirklichen Gründe für Ihre Gefühle zu erkennen.
  3. Greifen Sie noch einmal das Verlusterleben auf, dass zu der neuen Beziehung Ihres Elternteils führte. Was waren Ihre wirklichen Gefühle gegenüber der Scheidung oder dem Tod Ihres Elternteils? Kommen durch die Pflege Ihres Stiefelternteils diese schlimmen Gefühle wieder hoch, die Sie hatten, als die Scheidung vollzogen war? Oder die Sie am Tag des Begräbnisses hatten? Um diese Gefühle rauszulassen, hilft es vielen Menschen, wenn Sie diese niederschreiben, zum Beispiel in einem Tagebuch. Das Unterdrücken der Gefühle macht sie nur größer und stärker und somit wichtiger, als sie eigentlich sein müssten. Wenn Sie es schaffen, diese negativen Gefühle auf eine gesunder und positive Art und Weise rauszulassen, schaffen Sie Platz für Freude und Liebe in Ihrem Herzen.
  4. Was klappt nicht? Wie kann es repariert werden? Ihre Mutter nimmt es Ihnen übel, dass Sie Zeit mit Ihrer Stiefmutter verbringen. Ihr Bruder findet, dass Sie Ihren Vater hintergehen, weil Sie Ihrem Stiefvater aushelfen. So können Sie ja nur verlieren! Fragen Sie sich in solchen Situationen: Was ist Ihnen wichtig? Wie sollten Sie sich jetzt verhalten, damit Sie in 10 oder 20 Jahren möglichst wenig bereuen würden? Und bedenken Sie immer: Sie können zwar Ihre eigenen Emotionen und Ihre eigenes Handeln kontrollieren. Aber die Gefühle anderer können Sie nicht kontrollieren; deren Gefühle sind deren Verantwortung, nicht Ihre!
  5. Was funktioniert? Wie kann es noch verbessert werden? Wenn Sie genau schauen, finden Sie immer Dinge, die ganz gut funktionieren. Zum Beispiel könnte es die Pflegekraft des Pflegediensts sein, die Ihnen eine große Hilfe ist. Oder, dass Ihr Stiefvater auf die Anrufe seiner Nichten und Neffen reagiert. Obwohl Sie nach bescheidenen Erfolgen aussehen, sind sie eigentlich ein großer Erfolg. Nehmen Sie diese so wahr und lassen Sie sich dadurch zu Weiteren ermutigen.
  6. Akzeptieren Sie gegebene Situationen. Wird Ihre Schwester Ihnen immer böse sein, dass Sie Zeit mit Ihrer Stiefschwester verbringen? Wahrscheinlich ja. Aber anstatt Ihre Energie darauf zu verwenden, Ihre Schwester zu ändern – oder die Beziehung zu Ihrer Stiefschwester – konzentrieren Sie Ihre Energie auf die positiven Aspekte in der Beziehung mit Ihrer Schwester. Machen Sie es zur Priorität, Ihre Schwester regelmäßig zu treffen – wöchentlich, 2 Mal im Monat oder monatlich. Und achten Sie darauf, während Ihrer gemeinsamen Zeit auch Ihrer Schwester zu sagen, wie sehr Sie ihre Gesellschaft genießen und was für einen großen Einfluss sie auf Ihr Leben hat.
  7. Lernen Sie zu verzeihen – Ihren Stiefeltern, Ihren Eltern, Ihren Geschwistern und sich selbst. Denn auch wenn es oft nicht so scheint, die meisten Menschen versuchen immer ihr Bestes. Leider kommt Ihnen aber oft eigene Hemmungen und Ängste in die Quere, wenn sie das machen wollen, was gut und richtig ist. Vergebungsbereit zu sein bedeutet aber nicht, dass andere Sie ausnutzen dürfen. Bleiben Sie standhaft und zeigen Sie anderen klar Ihre Grenzen auf.

 

Die Pflege von Stiefeltern kann eine Herausforderung sein. Aber, wie alle Herausforderungen, öffnet sie auch Türen zu neuen Möglichkeiten – für Sie, Ihre Stiefeltern und Ihre Familie.

Es erfüllt mich, zu wissen, dass ich mein Bestes gebe

Peggy Walker unterstützt ihre Mutter, Inez, bei der Pflege ihres zweiten Ehemannes. Peggy ist nicht nur eine Stieftochter, sie ist auch eine Stiefmutter für die 2 Söhne ihres zweiten Mannes. Außerdem hat sie 3 eigene Töchter.

Wir haben mit Peggy über ihre Erfahrungen als “zweite” Pflegende ihres Stiefvaters gesprochen:

Caregiving: Wie sind Sie die zweite Pflegende Ihres Stiefvaters, neben Ihrer Mutter, geworden? Wie lange pflegen Sie schon? Hat es Ihnen etwas ausgemacht, diese Aufgabe zu übernehmen oder hatten Sie das Gefühl, dass Sie in diese Rolle gezwungen wurden, weil niemand sonst es wollte? Haben Sie sich jemals in die Enge getrieben gefühlt?

Peggy: Vor 8 Jahren bekam mein Vater eine Alzheimer und eine Parkinson Diagnose. Seine Mutter hatte in ihren letzten Jahren auch eine Demenz und erkannte sogar irgendwann meinen Stiefvater nicht mehr. Er selbst hatte Angst, dass ihm das auch passieren könnte, worüber wir auch intensiv gesprochen hatten. Seine größte Sorge war es, dass sich dann niemand um meine Mutter kümmere.

Um uns darauf vorzubereiten, arbeitete ich mit meiner Mutter zusammen daran, seine Pflege in der Zukunft und ihre Versorgung sicherzustellen. Das war sehr schwierig für meine Mutter, da sie schon immer sehr auf ihn angewiesen war. Meine Rolle veränderte sich in dieser Zeit stark. Von einer Tochter wurde ich immer mehr zu einer Freundin und Ratgeberin für meine Mutter. Inzwischen ist es sogar fast so weit, dass ich in die Eltern-Rolle geschlüpft bin und die Entscheidungen für meine Eltern treffe.

Man könnte meine Rolle vielleicht als “im Hintergrund tätig” beschreiben. Ich wohne 2 Autostunden entfernt von meinen Eltern und sehe sie nicht jeden Tag. Trotzdem führe ich regelmäßig für sie Telefonate. Ich fahre auch so oft es geht zu ihnen. Oft bin ich auch frustriert, wenn ich mich um die Regelung ihrer Finanzen kümmere und mit Ärzten und Anwälten ihre Angelegenheiten regele. Es ist nämlich genau so wichtig, dass alles glatt läuft.

Während eines Besuchs mit meiner Mutter im Pflegeheim, war mein Stiefvater sehr aufgeregt und schlecht gelaunt. Ich fragte ihn, was los ist. Er hat zwar nicht mehr die Fähigkeit mit uns ausführlich zu kommunizieren, aber dieses Mal sah er mich an und sagte mir, dass er Angst hatte, zu sterben. Ich wusste, dass er ein lieber, freundlicher und christlicher Mann war und wusste, dass er nach seinem Tod an einem guten Ort sein würde. Deswegen fragte ich ihn, warum er davor Angst hatte und es wurde klar, dass er Angst hatte, meine Mutter zu verlassen. Nachdem ich ihm dann versicherte, dass wir uns gut um meine Mutter kümmern werden, hatte er sich etwas entspannt. Das ganze hatte mich emotional sehr bewegt. Es ist nicht einfach, seine Eltern altern zu sehen.

Caregiving: Hat es Sie in Ihrer Rolle als Pflegende irgendwie beeinflusst, dass Sie sich um einen Stiefvater kümmern, nicht um Ihren biologischen Vater? Finden Sie, dass seine Kinder oder Verwandten mehr Verantwortung in der Pflege übernehmen sollten, anstatt Ihnen das zu überlassen?

Peggy: Mein Stiefvater heiratete meine Mutter als ich 11 Jahre alt war. Er erzog mich und meinen Bruder also. Es war auch seine erste Ehe, also waren da nur ich und mein Bruder als Kinder in der Familie. Trotzdem hatte wir einige schwierige Zeiten miteinander. Erst als ich erwachsen wurde gelang es uns, eine liebevolle Beziehung aufzubauen. Ich realisierte, dass er der einzige Vater war, den ich kannte und dass er immer für mich da war, wenn ich Hilfe brauchte – als Teenager und danach. Er ist ein großartiger Opa für meine Kinder und sie haben ihn sehr lieb gewonnen. Eine meiner Töchter hat ihren Sohn nach ihm benannt. Er war das einzige Kind seiner Eltern, also sind wir die einzigen Angehörigen, die er hat, außer einem sehr alten und weit entfernt wohnenden Cousin.

Ich würde alles für ihn tun und das weiß er auch. Es erfüllt mich, dass er weiß, dass ich alles nötige tun würde, damit es ihm gut geht. Es erfüllt mich, zu wissen, dass ich mein Bestes gebe.

Caregiving: Ist es in Ihrer Familie schon mal zu Problemen gekommen, durch ihre Pflegeaufgaben? Wenn ja, wie sind Sie damit umgegangen? Konnten Sie die Schwierigkeiten lösen?

Peggy: Ich hatte tatsächlich ein paar Schwierigkeiten mit meiner eigenen Familie. Sie wollen, dass sich gut um ihre Großeltern gekümmert wird und mein Mann weiß, dass ich das tun muss, aber sie sorgen sich, dass ich mir da zu viel auflaste und mir manche Dinge zu sehr zu Herzen nehme. Eine meiner Töchter sagte mal: “Ich brauche meine Mutter auch”. Es war meine Antriebskraft, Pflege und Familie perfekt und richtig zu managen. Ich war ganz besessen davon.

Heute versuche ich, mich nicht so sehr um alles zu sorgen und mir kleine Dinge nicht mehr so sehr zu Herzen zu nehmen. Es gibt keine perfekte Art sich um meine Lieben zu kümmern. Wir müssen uns um die wichtigen Probleme kümmern und nicht auch versuchen, jedes noch so kleine Problem lösen zu müssen. Mir ist es am wichtigsten, dass es ihnen so gut geht wie möglich. Ich schulde auch meinen Kindern und meinem Mann einen Teil von mir, versuche aber, keine Schuldgefühle zu fühlen, dass ich nicht immer für sie da sein kann. Inzwischen ist meine Mutter ins Betreute Wohnen umgezogen und ich versuche, mir nicht mehr so viele Sorgen um sie zu machen; sie ist dort gut aufgehoben und fühlt sich dort wohl. Auch mein Stiefvater wohnt im besten Pflegeheim, dass wir kennen und wir unterstützen ihn so gut wir können. Ich kann also für vieles dankbar sein.

Caregiving: Welchen Ratschlag würde Sie anderen in ähnlichen Situationen geben? Welche “Weisheiten” haben Sie gelernt?

Peggy: Als aller erstes: Wenn Sie vor der Pflege eines Angehörigen stehen, machen Sie sich einen Überblick über staatliche Stellen, Beratungsstellen oder Pflegestützpunkte und Versicherungen, die Ihnen helfen können. Durch deren Beratung und Informationen vermeiden Sie, zu viel Geld für die Pflege auszugeben. Die Hilfe dieser Stellen ist kostenlos! Wir müssen einfach nur nach Hilfe fragen lernen. Viele andere Menschen hatten die gleichen Probleme, vor denen Sie jetzt stehen und haben Ihre Tipps und Ihr Wissen weitergegeben.

Wenn es Ihnen möglich ist, nehmen Sie die Hilfe eines professionellen Pflegediensts in Anspruch. Wir haben ganz wunderbare Pflegekräfte gefunden, die sich um meinen Stiefvater gekümmert hatten. Ihm zu Essen gaben und ihn badeten. Dies hat mir und meiner Mutter die Pflege wirklich erleichtert. Und durch die Pflegeversicherung haben wir sogar Zuschüsse zu diesen Kosten bekommen.

Als mein Stiefvater ins Pflegeheim kam, haben wir für die Pflegekräfte Notizen über das Bett gehängt. Zum Beispiel: “Bitte benutzen Sie nur einen elektrischen Rasierapparat” oder “Stellen Sie das Bett bitte in einen 90 Grad Winkel ein”. Und so weiter. Das half vor allem den neuen Pflegekräften schnell auf die Bedürfnisse meines Stiefvaters eingehen zu können.

Außerdem hatten wir meinem Stiefvater viele seiner alten Fotoalben mitgegeben, damit er sich diese anschauen kann, wenn er sich im Heim alleine gelassen fühlt.

Am letzten Weihnachten wusste ich erst nicht genau, was ich ihm schenken sollte, da sein Gedächtnis schon sehr abgenommen hatte. Ich machte dann Fotographien von allen Familienmitgliedern während eines Familientreffens und legte damit ein Fotoalbum an. Ich schrieb unter jedes Foto den Namen der Person, sodass mein Stiefvater das Album anderen Menschen zeigen konnte und vorlesen konnte. Manchmal nahm er das Album dann sogar mit ins Bett, wenn er sich schlafen legte.

Das Pflegeheim legte sogar auch ein Fotoalbum an, mit Fotos von ihm mit seinen Eltern und als Erwachsener, die wir vorbei brachten. Seine Pfleger schauen dann oft gemeinsam mit ihm das Album an. Es zeigt ihnen, dass mein Stiefvater ein sehr wichtiger Mensch ist und ein einzigartiger Bestandteil unserer Familie ist.

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