Die Pflegekarriere: Eine Einführung

Wenn Sie ein Kind erwarten, freuen sich alle in Ihrem Umfeld für Sie und sind ganz aufgeregt. Sie bekommen Geschenke, Glückwünsche und die Bestärkung, dass sie ein wundervolles Kapitel Ihres Lebens beginnen. Wenn Sie an Ihr Kind denken, fühlen Sie sich stolz, bald ein Elternteil zu werden: Wie werden Sie die Persönlichkeit dieses jungen Menschen mit Ihren Wissen und Ihren Erkenntnissen prägen?

Denken Sie nun an ein ähnliches Lebensereignis, am anderen Ende des Spektrums. Ein alternder Angehöriger braucht Ihre Hilfe, sei es Ihr Vater, Opa oder Ehepartner. Sie wollen ihm helfen und das beste aus der verbleibenden gemeinsamen Zeit machen, aber, wenn Sie das Ihren Freunden und Kollegen erzählen, sind deren Reaktionen weit von Glückwünschen und Bestärkungen entfernt. „So etwas könnte ich nie tun! Warum machst du das?“ Oder die häufige Antwort: „Warum schickst du ihn nicht einfach in ein Pflegeheim? Dann hast du nicht so einen Stress.“

 

Kein Wunder, wenn Sie während der Pflege dann Selbstzweifel haben und sich fragen: „Warum ich? Warum mache ich das eigentlich?“ Solche Selbstzweifel können dazu führe, dass Sie die Pflege und Unterstützung nicht mehr gut hinbekommen. Sie können sogar so weit führen, dass Sie nicht mehr sehen können, wie wichtig diese Aufgabe für Sie, Ihre Angehörigen und Ihre Familie ist.
Deswegen habe ich das Buch „Die Pflegejahre: Sechs Stufen auf dem Weg zu einem bedeutungsvollen Erlebnis (The Caregiving Years: Six Stages To A Meaningful Experience) geschrieben. Ähnlich wie Bücher für werdende Eltern, beschreibt das Buch, was Sie auf Ihrer Reise durch die Pflegejahre erwarten können.

Das Buch ist in sechs Kapitel unterteilt. Dort finden Sie ein Schlagwort, den Nutzen und einen Handlungsplan für jede Stufe. Es ist von der Erkrankung Ihrer Angehörigen abhängig, wie schnell oder langsam Sie sich durch diese Stufen bewegen. Und auch wenn sich die Dauer, wie lange Angehörige in einem Schritt verweilen, von Person zu Person unterscheidet, so sind doch die Gefühle und Erfahrungen sehr ähnlich.

Stufe 1: Die Angehenden

Εικόνα1In absehbarer Zukunft, werde ich wahrscheinlich einen Angehörigen oder Freund unterstützen.

Wer sind Sie?

Sie haben die Befürchtung, dass Ihr/e Angehörige/r in absehbarer Zeit immer mehr auf Ihre Unterstützung angewiesen sein wird. Sie machen sich Sorgen auch wegen dem Alter des Menschen und seiner Gesundheit und aktuellen Wohnsituation.

 

Ihr Stichwort: Informieren

– Informieren Sie sich zum unterstützungsbedürftigen Menschen – Informieren Sie sich über Pflege- und Unterstützungsangebote – Informieren Sie sich zu finanziellen und rechtlichen Fragen und Vorsorgethemen -Informieren Sie sich über andere Angehörige, die in die Unterstützung miteinbezogen werden können.

Ihre Herausforderung

Die gesundheitlichen, finanziellen und emotionalen Bedürfnisse des unterstützungsbedürftigen Menschen kennen zulernen.

 

Ihre Aufgabe

Sie rechnen damit, ein/e pflegende oder unterstützende Angehörige/r zu werden; jetzt ist Ihre Zeit, sich darauf vorzubereiten. Sie sollten sich über mögliche Pflegedienstleistungen und Arrangements informieren, Pflegewissen ansammeln und dem betroffenen Menschen die Chance geben, seine Gefühle und Wünsche kund zutun.
Außerdem ist jetzt die Zeit um sich auch um sich selbst zu kümmern – verbringen Sie Zeit mit Ihrer Familie und mit Freunden, genießen Sie Ihre Hobbies und verwirklichen Sie Ihre Ziele im Beruf.

Was können Sie als angehende pflegende Angehörige tun?

1. Nehmen Sie eine Rechts- oder Pflegeberatung in Anspruch.

Ein sehr wichtiges Thema, dem viele erst Aufmerksamkeit schenken, wenn es schon fast zu spät ist, ist das Thema Vorsorge und Vollmachten. Es ist wichtig, dass die pflege- oder unterstützungsbedürftige Person sich schon frühzeitig Gedanken dazu macht, wer wie seine/ihre finanziellen, rechtlichen und gesundheitlichen Angelegenheiten regeln soll, falls die Person dazu einmal nicht mehr in der Lage sein sollte. Fangen Sie also früh damit an und stellen Sie sicher, dass die Person sich um diese Angelegenheiten kümmert.

Fragen Sie in einer Rechts- oder Pflegeberatung: Was müssen wir wissen, um für die Zukunft gut vorbereitet zu sein? Welche Dokumente brauchen wir? Was sollten wir beachten?

2. Machen Sie sich einen Überblick über die Finanzen.

Wenn Sie die finanzielle Situation des Betroffenen kennen, können Sie die Pflege oder Unterstützung besser planen und organisieren. Machen Sie sich einen Überblick über das monatliche Einkommen (Gehalt, Rente, Sozialhilfe) und über das Vermögen und Wertanlagen. Sie können auch bei Finanzberatern oder Ihrer Bank Beratung suchen und einen Plan erarbeiten, wie das Geld am sinnvollsten angelegt werden kann, sodass die Pflege langfristig gesichert ist.

3. Informieren Sie sich über loake Pflegedienstanbieter und Dienstleister.

Welcher Pflegedienst bietet gute und kostengünstige Pflege an? Welche Wohnformen gibt es vor Ort – Betreutes Wohnen, Pflege WGs oder Pflegeheime? Erbitten Sie Informationsmaterialen von lokalen Anbietern oder lassen Sie sich in Pflegeberatungsstellen beraten.

Machen Sie sich außerdem Gedanken darüber, wie die betroffene Person zur Zeit wohnt. Kann die Person dort wohnen bleiben, falls sie auf einen Rollstuhl angewiesen sein wird oder bettlägerig wird? Welche Veränderungen können Sie jetzt schon machen, um zukünftige Barrieren und Einschränkungen zu vermeiden? Oder ist es fast unmöglich, solche Veränderungen umzusetzen? Falls ja, welche anderen Optionen haben Sie: Ein Pflegeheim, Betreutes Wohnen oder wollen Sie die Person vielleicht sogar zu Ihnen nach Hause nehmen?

4. Machen Sie sich einen Überblick über Hausärzte und Fachärzte.

Lernen Sie die Hausärzte und Fachärzte Ihres/Ihrer Angehörigen kennen und erfahren Sie so viel wie möglich über die Medikamente, die sie/er nimmt.


5. Schätzen Sie die Situation realistisch ein.

Was ist das Schlimmste, das passieren könnte? Was das Beste? Machen Sie sich dann Gedanken darüber, welche Handlungsmöglichkeiten Sie für beide Optionen hätten

 

6. Fangen Sie an, ein Tagebuch zu schreiben; über Ihre Gefühle, Bedenken und Handlungen

Vielleicht werden Sie im Laufe der Pflege von Verlustgefühlen und Trauer überrascht. Durch Ihre Vorbereitung auf die Pflege oder Unterstützung Ihres/Ihrer Angehörigen oder Freunde kann es Ihnen auch gelingen, abzusehen, was Sie oder die betreffende Person verlieren werden oder auf was Sie verzichten müssen. Sie Beide werden Veränderungen in Ihrer Beziehung zueinander, in Ihrer Alltagsplanung und in Ihrer persönlichen Freiheit erfahren. Schreiben Sie Ihre Gedanken über diese potentiellen Verluste nieder –  und reflektieren Sie, wie Sie diese Verluste, durch kleinere Anpassungen vielleicht doch noch etwas weiter verzögern können.

7. Nehmen Sie sich Zeit, um persönliche Anliegen zu klären.

Es ist leicht, diese Dinge zu übersehen, wenn das Leben sorglos scheint. Die Pflege aber wird das Leben herausfordernder machen, erst recht, wenn sich die Pflegeaufgaben intensivieren. Und es wird noch schwieriger, wenn Sie dann noch persönliche Anliegen oder ungelöste Konflikte mit Familienmitgliedern oder sogar dem pflegebedürftigen Menschen haben. Wenn Sie schon immer Schwierigkeiten damit hatten, sich durchzusetzen und sich selbst ernst zu nehmen, kann es jetzt eine gute Zeit sein, dieses Thema durch psychosoziale oder psychologische Beratung anzugehen. Versuchen Sie, Ihr Selbstbewusstsein zu steigern und auf Ihre eigenen Entscheidungen vertrauen zu können.

Fällt es Ihnen schwer, nach Hilfe zu fragen und diese anzunehmen? Dann ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um zu hinterfragen, warum. Üben Sie, andere Menschen nach Hilfe zu fragen. Es ist eine wirklich hilfreiche Kompetenz, andere Menschen nach Hilfe fragen zu können und für die Pflege wird es Ihnen das Leben viel, viel leichter machen.

 

8. Bringen Sie sich in top Form – körperlich und finanziell.

Erstellen Sie einen Fitnessplan und treiben Sie regelmäßig Sport. Achten Sie auf gesunde Ernährung. Zahlen Sie Ihre Schulden ab, wenn Sie können. Sparen Sie so viel Geld, wie Sie können. Fällt Ihnen das schwer? Lesen Sie Fachliteratur oder bilden Sie sich, beispielsweise durch VHS Kurse. Für die Pflege sollten Sie körperlich fit sein und wenig finanzielle Sorgen haben.

9. Lernen Sie den pflege- oder unterstützungsbedürftigen Menschen richtig kennen.

Legen Sie ein Album über das Leben der Person an und sammeln Sie Geschichten, Bilder oder Videos. Finden Sie Rezepte, Fotos, Briefe, Gedichte oder Musik, die das Leben und die Erlebnisse der Person widerspiegeln. Informieren Sie sich über seine/ihre Kindheit, Eltern, Geschwistern und erste Lieben. Ziehen Sie dazu auch andere Familienangehörige mit ein.

10 Einen Apfel am Tag…

Was können Sie regelmäßig tun, um gesund zu bleiben? Verwöhnen Sie sich und nehmen Sie auch sich selbst Rücksicht – Sie sind zu wichtig, um Ihre Gesundheit zu opfern!

Ich fange an, Ihn/Sie zu unterstützen.

Stufe 2: Die Frischen

Εικόνα2 - CopyIch fange an eine/n Angehörigen oder Freund zu pflegen oder zu unterstützen

Wer Sie sind?

Sie haben damit begonnen, einen Ihnen nahestehenden Menschen zu pflegen oder zu unterstützen – regelmäßig, vielleicht einmal die Woche oder öfter. Sie kümmern sich um die Wocheneinkäufe, das Bezahlen von Rechnungen oder auch um die körperliche Pflege.

 

Ihr Stichwort: Finden

–        Finden Sie Unterstützungsangebote – Finden Sie Kontakt und gegenseitige Unterstützung zu andern Angehörigen – Finden Sie Möglichkeiten, wie Sie Ihre Hobbies und Interessen weiterhin verfolgen können

Ihre Herausforderung

Lösungen zu finden, die passen.

Ihre Aufgabe

Dies ist der Beginn Ihrer Rolle als pflegende/r Angehörige/r. Es ist die Zeit, in der Sie experimentieren, in der Sie schauen, was funktioniert und was nicht. Es ist Ihre Chance, zu lernen, wie das Gesundheitssystem funktioniert und manchmal auch, zu sehen, wo es nicht funktioniert. Jetzt können Sie ihre „Pflege-Persönlichkeit“ formen: Mit welchen Aufgaben fühlen Sie sich wohl? Mit welchen fühlen Sie sich unwohl? Wie kommen Sie und Ihr/e Angehörige miteinander zurecht? Welche Situationen sind für Sie beide zu stressig und anstrengend?

Außerdem finden Sie jetzt heraus, wie stark die Pflege Sie beide finanziell belastet. Reichen die Leistungen der Pflegeversicherung, die Sie hier nachschlagen können, und das Einkommen und Vermögen, das Ihnen beiden zur Verfügung steht aus?

Legen Sie Wert darauf, dass Sie Ihren Hobbies treu bleiben können – zumindest einigen. Es ist wichtig, dass Sie sich Zeit für sich selbst organisieren.

Was können Sie tun?

Lernen Sie so viel wie möglich über die Erkrankung oder Einschränkung.

Dafür können Sie sich an die jeweiligen Verbände oder Vereine richten, wie den Alzheimer Gesellschaften. Sie finden auch auf den Internetseiten dieser Verbände viele Informationen und weiterführende Links. So können Sie einen Einblick davon bekommen, was in Zukunft auf Sie beide zukommen kann.

Lernen Sie wichtiges Pflegewissen und Pflegetechniken in Schulungen aus Büchern oder Videos. 

Falls der Mensch, um den Sie sich kümmern, im Krankenhausaufenthalt, Reha oder Kurzzeitpflege ist, fragen Sie die Pflegekräfte, ÄrztInnen oder Therapeuten, nach Pflegetechniken: Heben, Umsetzen, Baden etc.. Auch im Internet können Sie dazu Tipps finden.

Wenn Sie sich unsicher sind, was gerade tun (sollen), ist es schwierig, jemanden zu pflegen. Nach einer Schulung oder einer passenden Lektüre, werden Sie viel selbstbewusster und sicherer sein und die Pflege wird Ihnen einfacher gelingen.

Melden Sie sich bei einer Angehörigengruppe oder Selbsthilfegruppe an–online oder in Ihrer Nachbarschaft. 

Sie können sich als pflegende/r Angehörige/r manchmal ganz schön einsam fühlen. Durch Gruppentreffen mit anderen Angehörigen lernen Sie Menschen kennen, denen es ähnlich geht, wie Ihnen. Oft hören Sie in solchen Gruppen viele Ratschläge und nützliche Hinweise, die Sie vielleicht noch nicht kannten und die Ihnen das Leben und die Pflege viel leichter machen können.

Organisieren Sie sich regelmäßige Pausen und Freizeit. 

Wenn möglich, sollten Sie sich regelmäßig eine Auszeit von der Pflege gönnen – sei es eine Stunde am Tag, einen Nachmittag in der Woche oder einen Tag im Monat – was immer Ihnen möglich ist. Nehmen Sie dafür die Hilfe andere Menschen in Anspruch, beispielsweise Ehrenamtliche oder andere Familienmitglieder. Letztere können Sie auch finanziell unterstützen, indem sie die Betreuung in der Tagespflege oder durch eine Pflegekraft zu Hause für die Zeit finanzieren. Das ist nicht teuer, wenn mehrere zusammenlegen. In vielen Fällen übernimmt sogar die Pflegeversicherung diese Kosten bis zu einem bestimmten Höchstbetrag.

Nehmen Sie die Unterstützung von Pflegedienstleistungen an. 

Essen auf Rädern, ambulante Pflegedienste und Tagespflegeeinrichtungen, um nur einige zu nennen, können viele Bedürfnisse des pflegebedürftigen Menschen decken und Sie entlasten.

Sie können sich in Pflegeberatungsstellen vor Ort nach solchen Anbietern erkundigen oder eine Liste von Ihrer Pflegeversicherung oder Krankenkasse anfordern. Erkundigen Sie sich auch nach Hilfsmitteln, die Ihnen die Pflege erleichtern und dem pflegebedürftigen Menschen die Selbstständigkeit bewahren helfen. Machen Sie sich klar, dass es eine persönliche Stärke ist, anderen Erlauben, Ihnen zu helfen!

Eine Übersicht zu Dienstleistungen und Hilfsmitteln in der Pflege finden Sie in der Rubrik Pflege zu Hause. Informationen zur Finanzierung finden Sie in der Rubrik “Leistungen der Pflegeversicherung…”.

Beziehen Sie immer die Wünsche des pflegebedürftigen Menschen mit ein!

Fragen Sie die Person in angebrachten Situationen nach ihren Ideen, Wüschen und Meinungen. Fühlt sich Ihr/e Angehörige/r oder FreundIn zu Hause noch wohl oder spielt er/sie mit dem Gedanken, in eine Pflegeinrichtung umzuziehen? Wovor fürchten er/sie sich?

Schreiben Sie über die Veränderungen in Ihrem Tagebuch. 

Wie fühlen Sie sich jetzt? Was sind Ihre Befürchtungen? Ängste? Welche Verluste haben Sie in dieser Phase bemerkt? Welche Veränderungen in die Beziehung zwischen Ihnen machen Sie traurig? Welche Veränderungen haben Ihnen Kraft gegeben?

Führen Sie ein zweites Tagebuch über die Bedürfnisse des pflegebedürftigen Menschen und Ihre Pflegeaufgaben

Notieren Sie alle Veränderungen im Gesundheitszustand Ihrer/s Angehörigen. Diese können Ihnen bei Arztbesuchen helfen oder Pflegekräften eine große Hilfe sein. Auch anderen Familienmitgliedern, die Sie bei der Pflege unterstützen, kann dieses Buch eine große Hilfe sein.

Organisieren Sie regelmäßige Familientreffen. 

Und, falls Sie und Ihr/e Angehörige/r mit weitern Familienmitgliedern zusammenwohnen, stellen Sie Hausregeln auf. Diese können beinhalten:

–Wer tut was, wann und wie – Wochenpläne für Familientreffen, inklusive den jeweiligen Anliegen oder Zielen – Erwartungen, im Sinne von Unterstützung, Engagement und Mithilfe.

Regeln Sie die Finanzen: Stellen Sie einen Finanzplan auf, Bewahren Sie Überblick über die Ausgaben und sammeln Sie alle Rechnungen und Quittungen.

Führen Sie Ihre Finanzen getrennt von den Finanzen des pflegebedürftigen Menschen. Bewahren Sie einen Überblick über alle Rechnungen des Pflegebedürftigen, die Sie selbst bezahlen. Holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung von Finanzberatern.

Schmieden Sie Notfallpläne. 

Fragen Sie sich: „Was, wenn…“ und schmieden Sie dann Notfallpläne, für diese Fälle. Wenn etwas schief gehen kann, dann tut es das meistens auch. Seien Sie darauf vorbereitet. Pflegeberatungsstellen können Ihnen dabei helfen.

Schaffen Sie sich ein kleines, ganz privates Paradies.

Nennen Sie ein Gästezimmer oder eine Ecke im Keller Ihr Eigen. Statten Sie diesen Ort mit Ihren Lieblingsdingen aus (Büchern, Schokolade, Kerzen, Zeitschriften, TV, Fotoalben etc.) um es zu Ihrem eigenen kleinen Paradies zu machen, auf das Sie sich freuen und wohin Sie sich zurückziehen können.

Halten Sie sich fit und gesund.

Entwickeln Sie ein Gespür dafür, wann Ihnen der Pflegestress nicht gut tut. Beispielsweise, wenn sich Ihre Essgewohnheiten verschlechtern oder Sie keine Kraft mehr haben, Spazieren zugehen. Ihre beste Abwehr für Stress ist eine gesunde Lebensweise.

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Ich helfe

Stufe 3: Die Etablierten

Εικόνα3

Ich unterstütze eine/n Angehörigen oder eine/n Freund/in.

 

Wer sind Sie?

Sie kümmern sich (fast) täglich um den pflegebedürftigen Menschen. Vielleicht wohnen Sie schon zusammen – oder Ihr Tag dreht sich fast nur noch um ihn/sie. Sie fangen an sich zu fragen, wie lange Sie das wohl noch durchhalten? Manchmal haben Sie gute Stimmung – Sie sind stolz darauf, so eine gute Pflegeperson zu sein und eine so wichtige Hilfe für diesen Menschen darzustellen – und manchmal fühlen Sie sich melancholisch – warum Sie? Sie sind traurig über die Verluste der Fähigkeiten des Betroffenen und wünschen sich die Tage vor der Pflege zurück. Und Sie sind müde.

 

Ihr Stichwort: Nehmen

Nehmen Sie Hilfe an; von jedem, der sie Ihnen anbietet – Nehmen Sie Auszeiten von der Pflege – Nehmen Sie Unterstützungsangebote wahr.

 

Ihre Herausforderung

Die Unterstützung und Kraft zu finden, um weiterzumachen.

 

Ihre Aufgabe

Entwickeln Sie Routine, entwerfen Sie einen Wochenplan für sich und Ihre/n Angehörige/n. Eine tägliche Routine wird Ihnen helfen, sich nicht vom Stress und der Verantwortung überwältigen zu lassen. Sie wird Ihnen Beiden mehr Ruhe und Kraft geben, in dieser wohl schwierigsten Stufe der Pflege. Die Veränderungen, auf die Sie sich in den ersten beiden Stufen vorbereitet haben, sind jetzt Realität geworden –  Sie sind jetzt so etwas wie ein Rettungsring für diesen Menschen geworden.

Entwerfen Sie auch eine Routine für sich selbst. Darin können Sie einbauen: Zeit für unerwartete, außergewöhnliche Dinge, ein Ritual, wie Sie Ihren Tag beginnen und beenden können und eine Sache, aus der Sie Kraft schöpfen – körperlich und geistig.

 

Was können Sie tun?

Setzen Sie sich Grenzen.

Wie lange wird die Person noch zu Hause gepflegt werden können? Wie lange fühlen Sie sich mit der Pflege zu Hause wohl? Manche Angehörigen fühlen sich beispielsweise unwohl, wenn sie einen Angehörigen pflegen, der inkontinent geworden ist. Andere wollen so lange pflegen, wie Ihre Angehörigen sich damit wohlfühlen.

Zu verstehen, wo Ihre Grenzen in der Pflege liegen, ist genauso wichtig, wie zu wissen, wo Ihren Grenzen im Alltag liegen.

–Welche Aufgaben und Verantwortungen überfordern Sie? – Zu welcher Tageszeit fühlen Sie sich am meisten gestresst? Wann verlieren Sie Ihre Geduld? Was macht Ihnen Angst? Was hassen Sie? Welche Tageszeiten sind für Ihre/n Angehörige/n besonders stressig? Zu welcher Tageszeit machen Sie sich besonders viele Sorgen um den pflegebedürftigen Menschen?

Erst, wenn Sie Ihre Grenzen kennen, können Sie sich Unterstützung suchen, die das abdeckt, was dahinter kommt. So können Sie sicherstellen, dass es Ihnen, Ihren Angehörigen und Familien gut geht.

Jeder hat seine Grenzen. Was sind Ihre?

Wo liegen die Grenzen des pflegebedürftigen Menschen?

Es wird Ihnen leichter fallen, Ihren Tag zu organisieren und geeignete Hilfen zu finden, wenn Sie die Grenzen des Betroffenen kennen. Solche Grenzen können sich aber ändern, achten Sie also in Veränderungen, beispielsweise was die Toleranzfähigkeit und Müdigkeit des Menschen betrifft.

Gönnen Sie sich weiterhin regelmäßige Auszeiten

Nehmen Sie sich regelmäßige Auszeiten – durch Ehrenamtliche Betreuung, Kurzzeitpflege oder Tagespflege. Oder Fragen Sie Freunde oder Familienmitglieder, ob diese Sie vertreten können. Die Pflegekasse kann diesen durch die Verhinderungspflege unter Umständen den Aufwand entschädigen. Widmen Sie sich weiterhin Ihren Hobbies und machen Sie sich Zeit für sich selbst frei!

Ziehen Sie Kraft aus dem Austausch mit andern Angehörigen – zum Beispiel in Selbsthilfegruppen. 

6. Informieren Sie sich weiterhin über die Erkrankung und Einschränkungen. 

Was wird auf den/die Betroffene/n zukommen? Sind Sie darauf vorbereitet? Wie können Sie damit umgehen?

7. Pflegen und Unterstützen Sie die Person desto mehr, je stärker ihre Fähigkeiten abnehmen. 

Machen Sie sich mit dem Gedanken vertraut, mehr Hilfeleistung geben zu müssen, je mehr Ihr/e Angehörige/r diese benötigt. Sie mögen vielleicht denken: “Ich kann mit dem Hilfebedarf meines Angehörigen ganz gut umgehen.” Dabei können Sie aber in die Falle tappen, dass Sie diesen Hilfebedarf nicht regelmäßig überprüfen und hinterfragen. Damit machen Sie sich und Ihren Angehörigen die Pflege schnell unnötig schwer. Achten Sie deswegen auf die alltäglichen Schwierigkeiten und lassen Sie sich Lösungen einfallen oder holen Sie sich dafür Hilfe.

8. Kümmern Sie sich genauso gut um die Finanzen, wie die Pflege. 

Wenn sich der Pflege- und Unterstützungsbedarf erhöht, erhöhen sich meist auch die Kosten für die Pflege und Betreuung. Erkundigen Sie sich bei Pflegeberatungsstellen, ob es Sinn macht, eine erneute Begutachtung durch den MDK bei der Pflegeversicherung zu beantragen, um eine höhere Pflegestufe anerkannt zu bekommen. Damit erhöhen sich gleichzeitigen die Zuschüsse der Pflegeversicherung zu den Pflege- und Betreuungskosten. Einen Überblick über die Leistungen je nach Pflegestufe finden Sie in der Rubrik “Rechtliche Bestimmungen…“.

9. Schreiben Sie weiterhin Ihre Gedanken in Ihr Tagebuch und halten Sie außerdem das Pflegetagebuch aktuell.

10. Verzeihen Sie sich selbst die schlechten Tage und Momente.

Solche Momente und Tage gibt es immer. Wenn so etwas passiert, erlauben Sie sich einen Neustart!

11. Setzten Sie sich und anderen Grenzen, um sich zu schützen: Ihre Zeit, Ihre Werte, Ihre Gesundheit, Ihre Prioritäten – sich selbst.

12. Geben Sie sich und Ihren Angehörigen Raum in schlechten Momenten.

Wenn Sie gerade schlecht gelaunt sind, sagen Sie einfach: “Ich bin gerade sehr schlecht gelaunt. Ich nehme mir mal ein paar Minuten für mich selbst.” Wenn Sie merken, dass Ihr/e Angehörige/r schlecht gelaunt ist, können Sie sagen: ” Es tut mir Leid, dass du gerade schlecht gelaunt bist. Ich ziehe mich mal etwas zurück und gebe Dir ein bisschen Zeit.”

Ich helfe immer noch.

Staufe 4: Die Pragmatischen

Εικόνα4Ich pflege und unterstütze immer noch meinen Angehörigen.

Wer Sie sind?

Sie haben schon alles durchgemacht: Kurzzeitpflege im Heim, etliche Pflegekräfte des Pflegediensts, vielleicht sogar wechselnde ehrenamtliche Helfer. Sie mögen Ärzten und Pflegekräften kritisch gegenüber eingestellt sein, weil Sie schon so viel frustrierende Erfahrungen im Gesundheits- und Pflegewesen gemacht haben. Manche Ihrer Freunde und Familienmitglieder können nicht verstehen, wie Sie in so schweren und stressigen Situationen noch humorvoll bleiben können. Sie finden Sie vielleicht sogar “abgehärtet” und “gefühlslos”. Ganz im Gegenteil – Sie haben eine sehr praktische und realisitsche Herangehensweise an Ihre Pflegeverantwortung gefunden – und Ihr Humor ist wichtig, um mit dem allen umgehen zu können. Ohne ihn hätten Sie vielleicht schon alles hingeschmissen.

Ihr Stichwort: Genießen 

– Genießen Sie die Freunden Ihrer Beziehung – Genießen Sie es, Dinge mit anderen zu tun und zu teilen

Ihre Herausforderung

Die größeren Zusammenhänge Ihrer Rolle als Pflegende zu verstehen und sich selbst zu finden und zu erkennen

Ihre Aufgabe

Sich selbst und Ihre/n Angehörige/n als Person zu verstehen. Sie sind in Ihren Pflegeaufgaben inzwischen sehr routiniert und gefestigt; jetzt ist es Zeit, einen Schritt zurück zutreten und zu reflektieren und nachzudenken. Die ersten drei Stufen haben die Basis dafür gelegt, jetzt als Person und in Ihrer Persönlichkeit zu wachsen.

Was können Sie tun?

1. Arbeiten Sie daran, Freude an Ihrer Beziehung mit Ihren Angehörigen zu finden oder neu zu entfachen.

Die größten Freuden-Killer sind die Körperpflege-Aufgaben: Baden, Anziehen, Toilettenhilfe. Aber diese Aufgaben bringen Sie näher zusammen, das ist Ihre gemeinsame Zeit. Vielleicht können Sie diese Aufgaben etwas spaßiger machen? Singen Sie zusammen Lieder, erzählen Sie Witze, reden Sie über Ihre Ziele und Träume.

2. Versuchen Sie, Ihren Angehörigen für Dinge in der Vergangenheit zu verzeihen.

Verbitterung auf Grund vergangener Ereignisse kann Ihnen die Pflege sehr erschweren. Lassen Sie das vergangene ziehen und konzentrieren Sie sich darauf, was Sie heute gesund und glücklich machen kann.

3. Unternehmen Sie gemeinsam etwas.

Planen Sie regelmäßige Aktivitäten mit Ihren Angehörigen, wo Sie nicht mehr Pflegende und Pflegebedürftige sind, sondern Ehefrau und Ehemann, Tochter und Vater, Vater und Sohn und so weiter. Wenn Sie diese “Pflege-Rollen” für eine kleine Zeit ablegen können, können Sie sich neu kennen lernen und viel Spaß haben.

4. Fangen Sie an, an Ihre Zukunft zu denken.

Welche Ziele wollen Sie noch erreichen? Wie können Sie diese erreichen? Wie kann Ihnen Ihr/e Angehörige/r dabei helfen?

Meine Aufgaben verändern sich.

Stufe 5: Die Abschließenden

Εικόνα5Meine Rolle verändert sich.

Wer Sie sind?

Sie haben für lange Zeit gepflegt und fühlen jetzt, dass langsam ein Ende absehbar wird.

Ihr Stichwort: Erlauben

–Erlauben Sie sich Zeit, um zu trauern – Erlauben Sie es Erinnerungen, zu verweilen – Erlauben Sie Reflektionen über Ihre Erlebnisse.

Ihre Herausforderung

Sie waren es gewöhnt, aktiv zu sein und viel zu tun. Jetzt ist es an der Zeit, einfach nur für Ihre/n Angehörigen dazusein und bei ihm/ihr zu sein.

Ihre Aufgabe

Mit Ihren Angehörigen durch ihre letzten Wochen und Monate zu gehen, alle ausstehenden Angelegenheiten und Vorsorgen zu regeln, die Sie vielleicht schon in Stufe 1 besprochen haben. In dieser Stufe geht es auch darum, trauern zu können, gemeinsam mit Ihren Angehörigen. Es geht auch um Liebe und das gute Gefühl, die letzte Zeit gemeinsam verbracht zu haben. Sie machen Sich außerdem vielleicht schon Sorgen und Gedanken, wie es danach weitergeht.

 

Was können Sie tun?

1. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl.

Sie wissen, dass Sie nur noch eine begrenzte Zeit mit Ihren Angehörigen haben. Vertrauen Sie Ihrem Bauchgefühl und verbringen Sie soviel Zeit gemeinsam, wie es Ihnen gut tut. Wenn andere Menschen Sie ermutigen wollen, Pausen von der Pflege zu nehmen, sagen Sie diesen: “Die Zeit mit ihm/ihr ist mir momentan am Wichtigsten. Danke, dass ihr euch um mich Gedanken macht, aber mir geht es wirklich gut damit.”

2. Nehmen Sie sich Zeit zu trauern.

3. Behalten Sie die Erinnerung an ihn/sie. 

Sie müssen Gegenstände, die Ihren Angehörigen gehörten nicht sofort weggeben. Bewahren Sie Kleidung und Fotos so lange auf, bis Sie loslassen können. Ermutigen Sie Ihre Freunde und Familie, über diesen Menschen zu reden und Erinnerungen zu teilen, anstatt Angst zu haben, Sie auf den Menschen anzusprechen.

4. Schauen Sie auf die Pflegezeit mit Stolz zurück.

Sie haben einem Menschen Ihre Zeit und Liebe gegeben. Seien Sie stolz darauf, Ihr Bestes gegeben zu haben!

5. Schauen Sie sich Ihr Tagebuch an.

Wie haben Sie sich verändert, im Vergleich dazu, wie Sie waren, als Sie das Tagebuch anfingen? Wie helfen Ihnen diese Erfahrungen in Beziehungen zu anderen Menschen?

Die Pflege ist vorbei.

Stage 6: Die Ehemaligen

Εικόνα6Die Pflege und Unterstützung ist nun vorbei.

Wer Sie sind?

Ihre Aufgabe als pflegende Angehörige ist nun schon seit 2 Jahren vorbei. Sie wollen anderen Ihre Erfahrungen und Ihr Wissen weitergeben. Sie tauschen sich gerne mit anderen pflegenden Angehörigen aus, die noch am Anfang der Pflege stehen. Vielleicht arbeiten Sie nun auch beruflich in diesem Feld? Und jetzt legen Sie viel mehr Wert auf Ihre Beziehungen zu Meschen in Ihrem Leben und auf Ihre Gesundheit.

Ihr Stichwort: Zu schätzen lernen

–Wissen Sie Ihre Träume zu schätzen – Lernen Sie die Herausforderungen schätzen, die zu neuen Möglichkeiten und neuen Kompetenzen geführt haben – Lernen Sie die Gelegenheiten schätzen, wo Sie Ihr Wissen weitergeben können – Lernen Sie die Erinnerungen an Ihre/n Angehörige/n zu schätzen.

Ihre Herausforderung

Ihre alte Rolle als Pflegende in Ihr neues Leben integrieren.

Ihre Aufgabe

Das Gelernte umsetzen. In dieser Stufe können Sie das, was Sie über sich selbst und von Ihren Angehörigen während der Pflegezeit gelernt haben, in Ihrem “neuen” Leben umsetzen. Sammeln Sie die Früchte Ihrer Arbeit.

 

Was können Sie tun?

1. Folgen Sie Ihren Träumen. Setzen Sie Ihre Ziele in die Tat um.

2. Pflegende Angehörige sehen in Ihnen einen erfahrenen Mentor.

Erlauben Sie anderen Pflegenden die Freiheit, die selben Fehler zu machen und Erfahrungen zu sammeln, wie Sie es taten. Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit Pflegenden in Stufe 1 bis 5, diese können von Ihnen lernen!

3. Lernen Sie die Erinnerungen an Ihre Angehörigen zu schätzen.

Entwickeln Sie Rituale, durch welche Sie Ihren Angehörigen gedenken. Sei es das Kochen seines/ihres Lieblingsessens an Ihrem Geburtstag oder das Pflanzen eines Baumes in ihren/seinen Ehren. Auch das Lesen Ihres Tagebuchs kann Ihnen viele schöne Erinnerungen hervorrufen.

Inhalte übersetzt aus Originalquelle. Mit freundlicher Genehmigung von: