Wenn Sie vor der Entscheidung stehen, die Pflege eines Angehörigen zu übernehmen, ist es immer eine gute Idee, den Aspekt der dadurch entstehenden finanziellen Belastungen mit zu berücksichtigen. Viele pflegende Angehörige geben an, dass finanzielle Belastungen, die Ihnen durch die Übernahme der Pflege oder Betreuung entstehen, zu den größten Schwierigkeiten der Pflege zählen. Da die Kosten, die durch die Pflege und Unterstützung auf Angehörige und Betroffene zukommen, stark von der Erkrankung an sich und den Ressourcen der Betroffenen abhängen, macht es Sinn, sich gut zu informieren. In den folgenden Abschnitten finden Sie deswegen eine Zusammenfassung der häufigsten Kostenfaktoren in der Pflege. Außerdem finden Sie Hinweise dazu, welche Möglichkeiten es gibt, diese Kosten zu reduzieren und welche Kostenerstattungsmöglichkeiten Sie haben.

Mit welchen Kostenfaktoren sollten Sie rechnen?

Grob gesagt hängt die Höhe der Kosten für die Pflege davon ab, ob und wenn ja, welche Hilfen und Dienstleistungen der pflege- oder unterstützungsbedürftige Mensch benötigt. Wenn sie zu Hause wohnen und die Pflege oder Betreuung hauptsächlich von Angehörigen, Freunden und Ehrenamtlichen geleistet wird, entstehen deutlich weniger Kosten als bei der Pflege im Heim. Es kommt also darauf an, welche Pflege- oder Unterstützungsaufgaben entstehen und ob diese von beruflichen Fachkräften, wie zum Beispiel Pflegediensten, übernommen werden oder durch Angehörige und Ehrenamtliche. Folgende Faktoren können Ihnen Anhaltspunkte geben, um diese Fragen abzuschätzen:

  • Welche Pflege-, Betreuungs- oder Unterstützungsbedarfe ergeben sich aus der Erkrankung, Behinderung oder Einschränkung des betroffenen Menschen?

Zuerst sollten Sie herausfinden, welcher Pflege- oder Unterstützungsbedarf konkret bei Ihren Angehörigen vorliegt. Benötigen sie Hilfe bei der Körperpflege, beim Gehen, beim Aufstehen, Anziehen oder bei Behandlungspflege? Oder brauchen sie Hilfe beim Einkaufen, Arztterminen, im Haushalt oder beim Saubermachen der Wohnung? Oder haben sie auf Grund einer Demenz einen hohen Betreuungsbedarf?

  • Gibt es Möglichkeiten, dass diese Bedarfe vom betroffenen Menschen selbst gedeckt werden können, zum Beispiel unter zur Hilfenahme von (Pflege-) Hilfsmittel oder durch (bauliche) Umgestaltung der Wohnung?

Manche Einschränkungen können durch die Inanspruchnahme von Pflegehilfsmitteln gemildert werden. Zum Beispiel kann eine Gehhilfe den Betroffenen helfen, weiterhin selbstständig in der eigenen Wohnung mobil zu sein. Das Abschleifen von Türschwellen und die Wegnahme von Teppichen können außerdem sturzgefährdeten Menschen eine große Hilfe sein.

  • Können die Bedarfe von Ihnen, Familienmitgliedern, Freunden, Nachbarn oder ehrenamtlichen Helfern gedeckt werden?

Wenn Pflege- oder Betreuung von anderen Menschen übernommen werden muss, überlegen Sie, ob Sie oder andere Angehörige und Freunde dazu in der Lage sind oder sich die Aufgaben teilen können und wollen. Bedenken Sie dabei gegebenenfalls auch, ob sich die Pflege oder Betreuung mit dem Berufsleben vereinbaren lässt. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Rubrik “Beruf und Pflege vereinbaren“.

  • Welche Bedarfe hat der betroffene Mensch, die eine (medizinische oder pflegerische) Versorgung durch professionelle Fachkräfte benötigen?

Machen Sie sich einen Überblick über medizinische und pflegerische Bedarfe, die nur von professionellen Pflegekräften übernommen werden können. Schließen Sie hier auch solche Bedarfe ein, die Sie oder andere potentielle Pflegepersonen nicht übernehmen können oder wollen, zum Beispiel körperlich belastende Tätigkeiten oder schambesetzte Intimpflege.

  • Falls der betroffene Mensch nicht mehr zu Hause gepflegt werden kann: Ist ein Umzug in ein Pflegeheim notwendig oder kommen auch andere Wohnformen, wie das Betreute Wohnen in Betracht?

In manchen Fällen stellt sich heraus, dass die Pflege oder Betreuung zu Hause nicht möglich ist. Oft sind dann die Symptome der Erkrankung oder die Einschränkungen so stark, dass ein Wohnen-Bleiben zu Hause nicht mehr möglich ist. Manchmal gibt es auch keine Angehörigen, die den Menschen zu Hause versorgen können. In solchen Fällen kann der Umzug in ein Pflegeheim eine gute Idee sein. Dort wird der Mensch pflegerisch versorgt und betreut. Viele Bewohner beklagen je nach Pflegeheim aber auch einen starken Verlust von Selbstständigkeit. Deswegen empfiehlt es sich, auch andere Wohnformen in Betracht zu ziehen. Hinweise zu diesen Wohnformen finden Sie in der Rubrik: Wenn die Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist

Die Beantwortung dieser Fragen kann es Ihnen ermöglichen, einen ersten Eindruck über die Bedarfe des betroffenen Menschen zu bekommen. Auch können Sie sehen, welche Ressourcen Ihnen zur Verfügung stehen beziehungsweise für welche Bedarfe die Leistungen von Pflege- oder Betreuungsdiensten eingekauft werden müssten.

 

Nun können Sie sich einen Überblick machen, welche Angebote und Dienstleistungen es gibt, die die offenen Pflege- und Betreuungsbedarfe decken. Die häufigsten Leistungen, die Angehörige und Pflegende nutzen sind:

  • Pflege und Betreuung durch Ambulante Pflegedienste
  • Tagespflege oder Nachtpflege
  • Haushaltsnahe Dienstleistungen
  • Betreuung durch ehrenamtliche Helfer/innen
  • Zusätzliche Betreuungsleistungen
  • 24 Stunden Betreuung
  • Pflege im Heim oder im Betreuten Wohnen
  • Hausnotruf
  • (Pflege-)Hilfsmittel

Nähere Informationen zu diesen Angeboten finden Sie unter der Rubrik: Pflege, Betreuung und Beratung. Sie sehen dort, dass alle Leistungen von der Pflegeversicherung bezuschusst werden können oder sogar dem Sozialamt bei Bedürftigkeit teilweise oder ganz übernommen werden können. Nähere Informationen dazu finden Sie unter der Rubrik: Leistungen der Pflegeversicherung und staatliche Hilfen.

Im Gegensatz zu den oben aufgeführten Dienstleistungen ist eine Pflegeberatung völlig kostenlos. Diese steht allen pflege- oder unterstützungsbedürftigen Menschen und Ihren Angehörigen zu. In einer Pflegeberatungsstelle können Sie sich ganz individuell und unverbindlich erkundigen, welche Hilfen in Ihrer Pflegesituation angemessen sein können und wie hoch die Kosten sein können. Wenn Sie wollen vermittelt der/die Pflegeberater/in Ihnen gute Anbieter in Ihrer Region und hilft Ihnen dabei, Zuschüsse von der Pflegekasse zu bekommen. Mehr über Pflegeberatungsstellen finden Sie in der Rubrik Beratungsangebote.

Kostenübernahmen und Zuschüsse

Für Familien, die einen pflege- oder unterstützungsbedürftigen Menschen versorgen, kann die Pflege teuer werden, wenn viele Dienstleistungen, wie Pflegedienste oder Tagespflege, genutzt werden. Die gute Nachricht ist, dass es auch Möglichkeiten gibt, um diese Kosten etwas zu reduzieren.

 

Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung übernimmt oft einen Teil der Kosten für professionelle Pflegeleistungen, wie Sie zum Beispiel Pflegefachkräfte in Heimen, Tagespflegeeinrichtungen oder in der Pflege zu Hause leisten. Voraussetzung ist, dass die pflegebedürftige Person die Mindestversicherungszeit erfüllt hat und als pflegebedürftig eingestuft ist.

Die Pflegeversicherung ist aber nur eine „Teil-Kasko-Versicherung“. Das bedeutet, dass sie nicht alle Pflegekosten abdeckt. Sie übernimmt meist nur einen Teil der tatsächlich anfallenden Kosten. Wenn Sie eine private Zusatzversicherungen abgeschlossen haben, können Sie die (teilweise) Übernahme der Restkosten sicherstellen. Mehr Informationen dazu finden Sie in unserer Rubrik Pflegezusatzversicherung.

 

Hilfe zur Pflege – Sozialhilfe für pflegebedürftige Menschen

Menschen mit Pflege- oder Betreuungsbedarf können bei Bedarf Unterstützung vom Sozialamt zu den Kosten für Pflege bekommen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Leistungen, die die Pflegeversicherung bezahlt, nicht ausreichen und selbst nicht bezahlt werden können. Auch Menschen, die die Voraussetzungen für eine Pflegestufe noch nicht erfüllen, können Anspruch auf Hilfe zur Pflege haben.

Konkret können durch Hilfe zu Pflege die Kosten oder Restkosten für ambulante Pflege, Kurzzeitpflege, Pflege im Heim oder Teilstationäre Pflege übernommen werden. Auch die Kosten für Hilfsmittel können vom Sozialamt übernommen werden.

Um Hilfe zur Pflege in Anspruch nehmen zu können, müssen die pflegebedürftigen Menschen bedürftig sein. Das bedeutet, dass Einkommen und Vermögen so gering sind, dass beides nicht für die Bezahlung der Pflegeleistungen ausreicht. Mehr Informationen zur Hilfe zur Pflege finden Sie in der Rubrik: Leistungen der Pflegeversicherung und staatliche Hilfen.

 

Stiftungen

Wenn die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen, um die Pflegekosten zu decken oder wenn Sie nicht berechtigt sind, Leistungen zu bekommen, können Stiftungen einspringen.

Die Dr. med. Heide Paul-Toebelmann Stiftung unterstützt Sie, wenn Sie die Kosten für Hilfsmittel oder Heilmitteln nicht selbst tragen können. Dazu müssen Sie nur einen formlosen Antrag mit Nachweis der Bedürftigkeit einreichen. Die Stiftung finanziert außerdem Erholungsmaßnahmen für pflegende Angehörige, wie zum Beispiel eine Kur.

Mehr Informationen finden Sie auf der Internetseite der Stiftung.

Diese Seite wurde am 21.03.2015 aktualisiert. Sollten Sie hier nicht mehr aktuelle Informationen oder Links finden, schreiben Sie uns bitte eine Email an die Adresse in der Rubrik “Kontakt“.